Porträtfotos der Interviewten, links: Meike Blatzheim, rechts: Jennifer M. Piel

25 Jahre VFLL: weitere Einblicke ins Tandem-Programm

Die Interviewserie im Rahmen von „25 Jahre VFLL“ geht weiter. Im Doppelinterview stellen wir Mitglieder vor, die sich über das Tandem-Programm des Verbandes kennengelernt haben und sich im regelmäßigen Austausch befinden. Dieses Mal sind Meike Blatzheim und Jennifer M. Piel aus der Regionalgruppe Köln/Bonn dabei.

Wie hast du vom VFLL erfahren?

Jennifer: Durch die gute alte Internetrecherche. Als im Sommer 2023 für mich feststand, dass ich mich beruflich verändern und meinen langgehegten Traumberuf ergreifen will, habe ich mich umgehend informiert. Der VFLL war schnell gefunden. Als Nächstes habe ich mir den Leitfaden besorgt und das Fortbildungsangebot studiert.

Meike: Puh, das weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Aber ich vermute, dass auch ich übers Internet zum Verband gefunden habe. Ich war vor meiner Selbstständigkeit rund 10 Jahre Verlagslektorin, deshalb kannte ich die Branche bereits gut.

Seit wann bist du Mitglied im VFLL?

Jennifer: Ich bin dem Verband im September 2024, kurz nach meiner mehrmonatigen Weiterbildung bei Juri Pavlovic (Textehexe, ebenfalls Mitglied im VFLL), beigetreten.

Meike: Seit Sommer 2019, zu Beginn meiner Selbstständigkeit.

Was hat dich zum Eintritt bewogen? Was waren deine Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen?

Jennifer: Kollegialer Austausch und Netzwerken sind für mich zum professionellen Arbeiten unerlässlich, doch anders als in meinem vorherigen Job kommuniziere ich als Solo-Selbstständige nicht mit einem Team aus Kolleg*innen. Der Verband ist mehr als einfach nur ein sehr großes Team. Und auch wenn ich die Ruhe im Homeoffice genieße, möchte ich nicht vereinsamen.

Meike: Mir war klar, dass die Mitgliedschaft in einem Berufsverband zur professionellen Arbeit als Freiberuflerin einfach dazugehört. Da mein zweites Standbein die Literaturübersetzung ist, bin ich zeitgleich in den VdÜ eingetreten.

Hast du dich schnell zurechtgefunden oder gab es am Anfang Stolpersteine? Falls es Stolpersteine gab, verrätst du, welche?

Jennifer: Als absoluter Neuling in Sachen Berufsverband war ich anfangs von der Größe des VFLL etwas überwältigt. Insgesamt habe ich mich dann doch schnell zurechtgefunden – unter anderem dank meiner Regionalgruppenleitung und der wenig später stattfindenden Willkommensveranstaltung. Trotzdem entdecke ich auch fast ein Jahr später immer noch Neues und ich vermute, das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Meike: Auch das weiß ich gar nicht mehr richtig … Jedenfalls war ich gleich im Herbst 2019 auf der VFLL-Jahrestagung in Berlin. Und auch das Kinderbuch-Netzwerk hat mir sehr beim Ankommen im Verband geholfen.

Wie würdest du den VFLL in einem Satz oder in drei Worten beschreiben?

Jennifer: Kompetenz und Professionalität durch Schwarmwissen.

Meike: Der Dreh- und Angelpunkt für alle freischaffenden Lektor*innen.

Was schätzt du am meisten am Verband?

Jennifer: Der hohe Stellenwert von Qualität und Professionalität, gefördert durch den kollegialen Austausch, zeichnet den VFLL für mich aus. Regionalgruppen und Netzwerktreffen erleichtern zudem das Knüpfen von Kontakten, vor allem wenn man wie ich ein introvertierter Nerd ist und sich damit etwas schwertut. ;-)

Meike: Die großartigen Menschen, die ich im Verband kennenlernen durfte. Es entwickeln sich Freundschaften über das Berufliche hinweg – und trotzdem ist es von großer Wichtigkeit, sich eben auch über Berufliches austauschen zu können. Und ganz allgemein das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen sowie den professionellen Auftritt des Verbands, der sich für uns Lektor*innen stark macht.

Gibt es Anregungen, was wir noch verbessern könnten? Was wünschst du dir?

Jennifer: Ich würde es begrüßen, wenn es mehr Fortbildungshappen für genrespezifische Themen gäbe und die verschiedenen Module von Fortbildungskursen (z. B. Fantasy-Lektorat) auch einzeln buchbar wären. Wenn man frisch in die Selbstständigkeit gestartet ist, ist ein zehnteiliger Kompaktkurs finanziell nicht immer drin. So hätten Neulinge jedoch die Chance, gezielt jene Einheiten zu buchen, die für sie von besonderem Interesse sind.

Meike: Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit unserem Verband. In Sachen berufspolitisches Engagement können wir noch von unserem Schwesterverband VdÜ lernen. Dort wurde in den vergangenen 15, 20 Jahren unglaublich viel erreicht, z. B. in Bezug auf die Sichtbarkeit von Literaturübersetzer*innen, und auch das Thema Honorare wird stärker in den Fokus gerückt, nach innen wie nach außen. Ich denke, hier haben wir Nachholbedarf.

Du machst beim Tandem-Programm mit. Wie hast du davon erfahren? Wie läuft es für dich?

Jennifer: Eine Kollegin aus einer anderen Regionalgruppe hat mir davon erzählt. Wenig später wurde das Tandem-Programm in meiner Regionalgruppe ins Leben gerufen und ich habe mich sofort angemeldet. Meike weiß so gut wie immer einen Rat, steuert wertvolle Tipps aus ihrer eigenen Erfahrung bei und hat ein offenes Ohr, wenn es mal brennt – gerade in der Anfangsphase der Selbstständigkeit ist das Gold wert. Neben Lektoratsthemen tauschen wir uns über WordPress-Probleme aus. Ich bin sehr dankbar, dass das Tandem-Programm existiert.

Meike: Ich bin Delegierte unserer Regionalgruppe, daher war ich eine der Ersten, die davon erfuhr, dass wir nun ebenfalls ein Tandem-Programm starten. Also dachte ich, ich gehe mit gutem Beispiel voran und melde mich, denn meist ist es ja viel leichter, die neuen Kolleg*innen zu motivieren als die etablierten. Anfangs hatte ich ein wenig Sorge, dass es zeitlich zu viel werden könnte. Aber dann habe ich festgestellt, dass es nicht nur Spaß macht, Jennifer mit jedem (Online-)Treffen besser kennenzulernen, sondern sie manchmal auch mir weiterhelfen kann, z. B. bei den von ihr angesprochenen WordPress-Problemen.

Was ist dein Schwerpunkt im Lektorat?

Jennifer: Mein Motto lautet: Lektoriere, was du liebst und wo du dich auskennst. So habe ich doppelt Freude bei der Arbeit, kann Fachwissen beisteuern oder einen Safe Space für Autor*innen schaffen. Mein Schwerpunkt liegt auf meiner lebenslangen Liebe Science-Fiction und Fantasy. Dank meines Studiums sehe ich sofort, wenn das Worldbuilding nicht funktioniert oder sich ein Fehler in die physikalischen Grundlagen eingeschlichen hat. Und wenn wir schon beim Thema Lieblingskategorien und Safe Spaces sind: Ich lektoriere außerdem Romance und mein persönliches Herzensthema queere Literatur.

Meike: Ich bin ziemlich breit aufgestellt und überlege immer mal wieder, ob ich etwas weglassen sollte. Aber ich liebe es, vielfältig zu arbeiten! Und ich genieße es total, dass mir das als Freiberuflerin möglich ist. Einer meiner Schwerpunkte ist dennoch das Kinder- und Jugendbuch, denn das war auch mein Schwerpunkt als angestellte Lektorin. Daneben übernehme ich zunehmend belletristische Übersetzungslektorate aus den skandinavischen Sprachen und arbeite mit Privatleuten auch mal an einem Krimi oder Fantasy-Roman. Meine Klammer: Ich lektoriere ausschließlich fiktionale Texte. Und stark spezialisierte Subgenres z. B. in der Fantasy oder Science-Fiction überlasse ich Profis wie Jen.

Bietest du zusätzliche Dienste an? Beratung, Coaching, Ghostwriting oder Ähnliches?

Jennifer: Neben dem Lektorat umfasst mein Portfolio Sensitivity Reading, Weltenbau-Beratung, Schreibcoaching und Korrektorat. Für mich war es logisch, diese Dienstleistungen anzubieten, sind sie doch entweder direkte Nebenprodukte meiner Tätigkeit als Lektorin oder unterstützen Autor*innen durch meine fachliche oder persönliche Expertise in Genres, die sowieso zu meiner Spezialisierung gehören.

Meike: Wie gesagt, mein zweites Standbein ist das Übersetzen von Literatur aus den skandinavischen Sprachen (vor allem aus dem Norwegischen und Dänischen). Außerdem biete ich zweimal jährlich eine einwöchige Schreibauszeit für (angehende) Autor*innen in der Eifel an, gebe jeden November ein Seminar für Berufseinsteiger*innen ins Literaturübersetzen, biete Schreibcoachings und Beratung rund um Veröffentlichungsstrategien an, möchte 2026 einen größeren Online-Schreibkurs launchen, … Mir macht es Spaß, immer wieder etwas Neues auszuprobieren – Hauptsache, es hat mit Schreiben und Literatur zu tun!

Was hast du vor deiner Tätigkeit als freiberufliche Lektorin gemacht? Welchen Beruf hast du ausgeübt?

Jennifer: Mein Weg ins Lektorat war so ziemlich alles, nur nicht geradlinig, denn ich hatte schon immer zwei Herzen in der Brust: meine Leidenschaft für Geschichten und das Bestreben herauszufinden, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält. Letzteres hat mich zu einem Physikstudium geführt, nach meiner Promotion in Astrophysik bin ich in der IT gelandet, wo ich Software entwickelt habe. Durch meinen Schwerpunkt im Lektorat kann ich beide Welten endlich vereinen.

Meike: Nichts. ;-) Ich habe direkt nach dem Studienabschluss (Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim) ein Volontariat im Verlag angefangen, bei Beltz & Gelberg. Danach habe ich rund 10 Jahre in verschiedenen Publikumsverlagen als Lektorin gearbeitet, bis der Wunsch nach Selbstbestimmung sowie derjenige, mehr als nur mal ein Bilderbuch zu übersetzen, überhandnahmen.

Was machst du als Ausgleich zu der Schreibtischarbeit? Hast du bestimmte Hobbys, die du pflegst?

Jennifer: Meine Physiotherapeutin würde mich für meine nächsten Worte schelten und mein Rücken würde ihr Recht geben: Denn weil ich den Großteil meiner Freizeit mit Schreiben verbringe, sitze ich mehr am Schreibtisch, als gesund ist. Ausgleich schaffe ich durch täglichen Sport – Radfahren, Joggen und Bouldern – und dem Bespaßen meiner beiden felinen Assistenten, den Katern Marika und Moritz. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Eiskunstlauffan und stehe manchmal auch mitten in der Nacht auf, um ein Turnier live zu schauen.

Meike: Das mit dem körperlichen Ausgleich passt ganz gut. Mit meinem Lektorenpudel Rufus streife ich regelmäßig durch die oberbergischen Wälder, außerdem gehe ich seit gut anderthalb Jahren sehr diszipliniert zweimal wöchentlich zum Krafttraining. Während ich früher im Verlag immer mal wieder Rücken- und Schulterprobleme hatte, klappt das jetzt viel besser. Schwerer fällt mir manchmal der mentale Ausgleich. Da suche ich immer noch nach dem passenden „meditativen“ Hobby, denn so sehr ich das Lesen liebe, nach einem langen Tag vor dem Bildschirm habe ich dazu manchmal nicht mehr die nötige Konzentrationsfähigkeit.

Meike, was kannst du als langjähriges Mitglied einem Neuzugang empfehlen?

Meike: Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, persönliche Kontakte zu knüpfen. Wenn man in einem Raum – ob virtuell oder vor Ort – wenigstens ein, zwei Leute persönlich kennt, fühlt man sich gleich wohler, nimmt mehr Angebote wahr etc. Insofern begrüße ich sehr, dass der Verband immer mehr entsprechende Formate entwickelt wie z. B. die Willkommensveranstaltungen und das Tandem-Programm. In unserer Regionalgruppe verschicken wir zusätzlich seit Anfang des Jahres quartalsweise einen Newsletter und fordern die „Neuen“ auf, sich dort vorzustellen. Auch das trägt hoffentlich dazu bei, dass sie keine stillen Mitglieder bleiben, sondern Lust bekommen, sich einzubringen.

Gibt es noch etwas, was ihr uns mitteilen möchtet?

Jennifer: Danke, dass es euch gibt!

Meike: Da kann ich mich nur anschließen! Wobei … eigentlich müsste es heißen: Danke, dass es uns gibt!

Redaktion: Sibylle Schütz
Korrektorat: Cornelia Thoellden
Beitragsbild: v. l. Meike Blatzheim (Copyright: Bernadett Yehdou) und Jennifer M. Piel (Copyright: Wilfried Piel)  


Meike Blatzheims Website, Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis und Instagram
Jennifer M. Piels Website, Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis und Instagram


Viele weitere Regionalgruppen haben inzwischen ein Tandemprogramm. Du bist interessiert? Dann frag dein Regionalgruppen-Team. Alle Kontaktdaten sowie das aktuelle Programm der Regionalgruppen findest du auf der VFLL-Website.


Mehr aus der Tandem-Reihe:
Interview mit Dr. Christian Homma und Sabine Steck
Interview mit Annalena Rauh und Daniela Dreuth

Mehr aus der Reihe „25 Jahre VFLL“:
Interview mit zwei Gründungsmitgliedern des VFLL

 

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