Selbstständigkeit kann einsam sein. Umso besser, wenn man schnell Anschluss findet – und alle brennenden Fragen loswerden kann! Das Tandem-Programm des VFLL verbindet erfahrene Mitglieder mit Neulingen im Verband. Hier berichten Katja Mattsson und Birgit Ulmer aus der Regionalgruppe Niedersachsen/Bremen über ihre Erfahrungen.
Letztes Jahr feierte der VFLL sein 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hat der VFLL-Blog diese Beitragsreihe gestartet mit langjährigen sowie neuen Mitgliedern, die sich über das Tandem-Programm des Verbandes kennengelernt haben. Die Interviews zeigen die Vielfalt in unserem Verbandsleben und geben Einblicke in die Bedürfnisse und Wünsche unserer Mitglieder.
Wie hast du vom VFLL erfahren?
Katja: Als ich mich selbstständig machen wollte, habe ich mich über Fortbildungsmöglichkeiten im Lektorat informiert und bin dabei auf den VFLL gestoßen. Meine erste Fortbildung war super und ein Gespräch mit Kolleg*innen am Stand auf der Frankfurter Buchmesse hat mich schließlich überzeugt, dass ein Beitritt eine gute Idee ist.
Birgit: Bei mir ist es schon so lange her – ganz genau weiß ich es gar nicht mehr. Ich glaube aber, dass ich zuerst Mitglied bei den BücherFrauen geworden bin und dort vom Partnernetzwerk VFLL erfahren habe. Bevor ich Mitglied geworden bin, habe ich einmal als Gast an der Jahrestagung teilgenommen und in den Verband geschnuppert, das könnte in Hannover gewesen sein. Und dann dauerte es noch eine Weile, bis ich die damaligen Aufnahmekriterien erfüllen konnte. Man musste, glaube ich, nachweisen, dass man schon eine bestimmte Anzahl Seiten/Projekte lektoriert hat. [Anm. d. Red.: Die neue Aufnahmeordnung, die auch die Anforderungen auflistet, findest du hier.]
Seit wann bist du im VFLL?
Katja: Ich bin seit Herbst 2023 dabei.
Birgit: Ich denke, seit 2019.
Was hat dich zum Eintritt bewogen? Was waren deine Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen?
Katja: Eine Selbstständigkeit wirkt auf den ersten Blick ganz schön einsam. Ich hatte die Hoffnung, mich so mit vielen Kolleg*innen vernetzen und austauschen zu können. Nach meinem Eintritt wurden meine Erwartungen voll und ganz erfüllt: Die Aufnahme in die Regionalgruppe Niedersachsen war herzlich, das Tandem-Programm toll und auch die Stammtische sind für mich immer wieder eine Bereicherung.
Birgit: Da der grundsätzliche Schritt in die Selbstständigkeit bei mir auf einen Umzug von Süd- nach Norddeutschland sowie auf die Familienphase mit zwei kleinen Kindern folgte, war ich vor allem auf der Suche nach Vernetzung und beruflichem Anschluss, da ich im neuen Umfeld keine entsprechenden Kontakte hatte. An konkrete Erwartungen oder Vorstellungen kann ich mich nicht oder nicht mehr erinnern.
Hast du dich schnell zurechtgefunden oder gab es am Anfang Stolpersteine?
Katja: Die Fülle an Informationen, die auf einen zukommt, ist zu Beginn ganz schön groß. Allerdings habe ich mich von der Regionalgruppe Niedersachsen sogleich gut aufgenommen und informiert gefühlt. Das Tandem-Programm war ebenfalls eine gute Unterstützung, um so richtig anzukommen.
Birgit: Anfangs fand ich es schon ein wenig schwierig, denn soweit ich mich erinnere, waren die Regionalgruppen damals noch nicht so aktiv oder gut organisiert wie heute. Zum Beispiel gab es zwar offenbar schon Stammtischtreffen der Regionalgruppe Niedersachsen, aber wohl (immer?) in Hannover, also zu weit weg für mich. Erst kurz vor der Pandemie gab es die Initiative, auch in Nord-Niedersachsen einen Stammtisch zu organisieren, das war ein guter Schritt zur besseren Vernetzung. Mit der Pandemie kamen dann auch die Treffen online auf.
Wie würdest du den VFLL in einem Satz oder in drei Worten beschreiben?
Katja: Gemeinschaft, Wissen, Professionalität.
Birgit: Austausch, Unterstützung, Kompetenz.
Was schätzt du am meisten am Verband?
Katja: Besonders schätze ich den regelmäßigen und wertschätzenden Austausch mit den Kolleg*innen in der Regionalgruppe und den Netzwerken sowie das umfassende Fortbildungsprogramm.
Birgit: Da schließe ich mich Katja vollumfänglich an ;-)
Gibt es Anregungen, was wir noch verbessern könnten? Katja, was wünscht du dir als Neuling?
Katja: Ich wünsche mir, dass das Tandem-Programm für Neueinsteiger*innen erhalten bleibt, weil es so eine gute Hilfestellung war. Für die Zukunft wünsche ich mir außerdem stärkere Kooperationen mit anderen Verbänden, weil sich dort sicherlich sinnvolle Synergien ergeben, von denen alle profitieren.
Du machst bei dem Tandem-Programm mit. Wie hast du davon erfahren? Wie läuft es für dich?
Katja: Nach meinem Eintritt wurde ich direkt in einer Begrüßungsmail von unserer Regionalgruppensprecherin über das Programm informiert. Da ich ein solches Angebot zum Einstieg interessant fand, habe ich mich sogleich dafür gemeldet und Birgit als Tandem-Partnerin bekommen. Unsere Tandem-Zeit ist mittlerweile bereits vorbei, aber ich habe unseren Austausch sehr genossen.
Vor jedem Treffen konnte ich Birgit meine Fragen schicken und gemeinsam haben wir dann alles besprochen, was mir eingefallen ist. Am Ende jedes Treffens haben wir einen neuen Termin ausgemacht und uns dabei auch an der Menge und Dringlichkeit meiner Fragen orientiert.
Birgit hat sich viel Zeit genommen und mich damit in meiner Anfangsphase unterstützt. Dafür bin ich auch jetzt noch sehr dankbar, denn ich habe viel von ihr und ihrer Erfahrung gelernt. Unsere Themen waren dabei ganz vielfältig und natürlich blieb immer etwas Zeit zum Quatschen. Dass sie außerdem auch noch übersetzt, war ein schöner Bonus.
Birgit: Ich wusste vom Tandem-Programm, weil wir uns in der Regionalgruppe vorab darüber ausgetauscht hatten. Irgendwann fragte die damalige Regionalgruppensprecherin dann bei mir an, ob ich mir vorstellen könnte, mich einzubringen, weil es mit Katja eine Neue gab, die sich neben dem Lektorat auch fürs Übersetzen interessierte.
Was ist dein Schwerpunkt im Lektorat?
Katja: Meine Schwerpunkte sind vor allem die Bereiche Horror, Fantasy und Science-Fiction. Hinzu kommen alle Themen, die sich rund um Nordeuropa drehen. Ich bin auch offen für Projekte aus anderen Bereichen, wenn sie zu mir passen.
Birgit: Zufällig hat sich ein kleiner Schwerpunkt Reiseführer bei mir ergeben. Sonst mache ich regelmäßig Übersetzungslektorate für Verlage. Da ich außerdem Mitherausgeberin einer wissenschaftlichen Zeitschrift bin, lektoriere ich auch in diesem Bereich regelmäßig Texte. Grundsätzlich bin ich ebenfalls offen für alles und schaue jeweils, ob es in dem Moment zeitlich, inhaltlich und – für mich ebenfalls sehr wichtig! – menschlich passt.
Bietest du zusätzliche Dienste an? Beratung, Coaching, Ghostwriting oder Ähnliches?
Katja: Neben dem Lektorat und Korrektorat biete ich Übersetzungen aus dem Schwedischen, Finnischen und Estnischen ins Deutsche an. Außerdem unterstütze ich Autor*innen bei ihrer Recherche zu Themen rund um Nordeuropa. Als Nächstes plane ich eine Ausweitung meines Angebots im Bereich Brettspiele. Dafür besuche ich derzeit eine Fortbildung bei der VFLL-Akademie.
Birgit: Ich übersetze ebenfalls, und zwar aus dem Italienischen.
Was hast du vor deiner Tätigkeit als Lektorin gemacht? Welchen Beruf hast du ausgeübt?
Katja: Ich war zehn Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin am Finnisch-Ugrischen Seminar der Universität Göttingen. Dort habe ich sprachwissenschaftlich geforscht und unter anderem finnische und estnische Literatur unterrichtet. Außerdem habe ich mit meinen Kolleginnen den Studierendenblog betreut und in diesem Rahmen bereits viele Texte lektorieren dürfen.
Birgit: Auch ich war einige Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig: An der Universität Stuttgart habe ich zahlreiche Seminare und Vorlesungen im Bereich italienische Literaturwissenschaft veranstaltet und Studierende aller Studienphasen betreut.
Was machst du als Ausgleich zu der Schreibtischarbeit? Hast du bestimmte Hobbys, die du pflegst?
Katja: Mit meinem Mann und unserem Hund verbringe ich gern Zeit an der frischen Luft oder auf Reisen – natürlich am liebsten in den Norden. Ich stecke auch in meiner Freizeit die Nase liebend gern in gute Bücher und zähle außerdem Brettspiele aller Art und Swing-Tanz zu meinen Hobbys.
Birgit: Ich mache gern Sport, gehe joggen, spiele Tennis und mache Yoga. Das ist für mich ein wichtiger Ausgleich zum vielen Sitzen am Schreibtisch. Außerdem lese ich leidenschaftlich gern, werkle bei gutem Wetter im Garten und bei schlechtem nähe ich hin und wieder. Zeit mit der Familie ist mir ebenfalls wichtig.
Birgit, was kannst du als langjährigem Mitglied einem Neuzugang/Neuling empfehlen?
Birgit: Gerade als Soloselbständige in einem freien Beruf ist das Wichtigste meiner Meinung nach Offenheit und Neugier. Kontakte entstehen durch Treffen – online und vor Ort –, bei Stammtischen und Fortbildungen. Man sollte keine Scheu haben, Fragen zu stellen, und sollte sich aktiv einbringen. Es gibt so viele Möglichkeiten, da ist für jede*n etwas dabei! Vielleicht muss man die eigene Komfortzone auch mal verlassen, aber das geschieht innerhalb des Verbands oder innerhalb der Regionalgruppe ja in einem geschützten Raum und es lohnt sich!
Wie hat sich, deiner Meinung nach, der Verband in den letzten Jahren entwickelt? Stichpunkte: Angebote und Service für Mitglieder, Engagement der Mitglieder …
Birgit: Da die Mitglieder teils sehr unterschiedliche Schwerpunkte und Arbeitsbereiche haben, ist man natürlich nie mit allem einverstanden und wünscht sich manche Dinge anders, damit sie noch besser den eigenen Bedürfnissen und Wünschen entsprechen. Aber mein Eindruck ist, dass sich der Verband in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht positiv entwickelt und weiter professionalisiert hat. Das Tandem-Programm ist da nur ein Beispiel.
Interview: Sibylle Schütz
Korrektorat: Cornelia Thoellden
Beitragsbild: links Birgit Ulmer (Ute Breyer/Fokura), rechts Katja Mattsson (Pär Persson Mattsson)
Katja Mattsson: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Birgit Ulmer: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Lust auf mehr Tandem? Hier geht’s zu den Interviews von
Meike Blatzheim und Jennifer M. Piel aus der Regionalgruppe Köln/Bonn
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Dr. Christian Homma und Sabine Steck aus der Regionalgruppe Bayern
Du willst an einem Tandem-Programm teilnehmen? Infos dazu gibt es in deiner Regionalgruppe.
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