Im Inneren eines alten Saals stehen eine Reihe von Buchständen und viele Menschen, die nach oben in die Kamera schauen und winken

Zauberhafte Bücherwelt in Österreich – kleine Buchmessen im Aufstieg

Bücherträume, Buchliebe, Buchzauber: Schon die Namen der kleinen Buchmessen in Österreich machen Lust aufs Schmökern und Stöbern. Durch die ungezwungene Atmosphäre sind sie tolle Orte zum Netzwerken. Rebekka Haindl berichtet für den VFLL.

von Rebekka Haindl

In Deutschland locken seit Jahren vielfältige Buchmessen wie die Miss Read Berlin, die Kibum Ulm oder die Augsbuch, das ist jedem selbst veröffentlichenden Schreiberling klar. Wer sein Werk präsentieren möchte, reist oft weite Strecken, um sich mit anderen Buchbegeisterten zu messen und auszutauschen.

Doch auch in Österreich gibt es eine rege Schreib-Community, der das fehlende Angebot an regionalen Buchmessen schon lange auffällt – und die beschlossen hat, etwas dagegen zu unternehmen. Die Dorfpension Mariahilfberg hat letztes Jahr mit der Messe Bücher(t)räume begonnen, heuer zogen Gänserndorf mit der Buchliebe und die Burg Forchtenstein mit dem Buchzauber mit! Zwar übernahmen unterschiedliche Organisator*innen das Ruder bei den jeweiligen Veranstaltungen, aber letztlich sind doch alle untereinander im Austausch. Was einem auf diesen Buchmessen daher begegnet, ist keine Konkurrenz, sondern ein reges Netzwerk, das sich mit viel Enthusiasmus und Herz gegenseitig unterstützt!

Ziel der kleinen Messen ist es, auch unbekannteren, vornehmlich österreichischen Autor*innen die Möglichkeit zu bieten, ihre Werke in einem persönlichen Rahmen einem begeisterten Publikum anzubieten – ein Kontrast zur riesigen Buch Wien, die mit einem breiten Angebot an Verlagen und Bestsellerautor*innen überzeugt. Als Lektorin konnte ich nicht widerstehen, die Gelegenheit wahrzunehmen und mich auf diesen Messen mit einem eigenen Stand selbst unters Schreibvolk zu mischen.

Braune Holztür mit Plakat der Buchmesse "Buchliebe" in Österreich: darauf ein Herz mit Regenbogenmuster
Buchliebe! Der Name war Programm auf dieser kleinen Buchmesse in Gänserndorf
(Bild: Buchliebe, Sandra-Michelle Strausz)

Gelebte Buchliebe in Gänserndorf

Bei der Buchmesse Buchliebe am 30. August 2025 in Gänserndorf kamen im „alten Turnsaal“ Hunderte Buchbegeisterte zusammen, um gemeinsam ihre Liebe zum geschriebenen Wort zu feiern. Unter den Aussteller*innen fanden sich vor allem Selfpublisher*innen, überwiegend aus dem Romance-Genre, doch auch Fantasy, Thriller, Krimi und sogar Erotik waren vertreten. Wortmenschen aus der ganzen Region schlenderten an den liebevoll dekorierten Ausstellungstischen vorbei und blieben hier und da für ein nettes Gespräch einige Minuten lang haften.

Als Buchüberarbeiterin war ich gemeinsam mit der Hörbuchsprecherin Birgit Brauneder im Dienstleistungs-Eck zu finden, wo wir mit Schreiberlingen plaudern durften, die schon Bücher veröffentlicht hatten oder das noch tun wollten. Nicht nur holten sie sich Ratschläge zum Thema Schreiben und Veröffentlichen ab – sie ließen mich eintauchen in ihre bunten Universen und begeisterten mich mit spannenden Gesprächen um Weltenbau, vielfältige Charaktere, den „perfekten“ Klappentext und über den langen Weg des rohen Manuskripts zum fertigen Buch.

Trutzige, mittelalterich wirkende Burg Forchtenstein aus hellem Stein vor blauem Himmel
„Sehet, was euch wohlfeilgeboten wird auf der Burg derer von Forchtenstein!“ Ein Fest nicht nur für Fantasy-Fans war diese Messe in historischen Hallen. (Bild: Bella Volen)

Das Lesevolk zur Audienz auf Burg Forchtenstein

Auf der wunderschönen Location der Burg Forchtenstein im Burgenland durften dann am 8. November wieder siebzig Aussteller*innen ihre liebevoll kreierten Werke präsentieren. Auch auf der Messe Buchzauber waren sämtliche Genres vertreten und ich konnte mich über ein Wiedersehen mit einigen inzwischen bekannten Gesichtern freuen.

Nicht nur dass viele in Gewandung in der eindrucksvollen Burg erschienen – die Atmosphäre und die altertümlichen Räumlichkeiten rissen alle mit und lockten einige Besucher*innen an. In den alten Gemäuern verliehen Ritter, Kräuterfrauen mit erdfarbenen Gewändern und bunten Fläschchen, Adelige in aufwendigen Kleidern und Statuen von Drachen dem Lesevolk das Gefühl, direkt in einem Fantasyroman gelandet zu sein!

Immer schön flexibel bleiben …

Zwischen all den schönen Lesungen hatte ich als Lektorin die Möglichkeit, einen kurzen Vortrag zum Thema Buchveröffentlichung und -überarbeitung zu halten. Leider war an der Location kein Beamer vorhanden, mit dem ich meine Worte visuell hätte unterstützen können – doch laut Feedback der aufmerksamen Zuhörenden war das kein Problem. Für mich war es eine lehrreiche Erfahrung, denn nächstes Mal erkundige ich mich rechtzeitig und bringe zur Sicherheit meinen eigenen Beamer mit!

In einer hellen, gut ausgelichteten Halle mit Rundbögen stehen verschiedene Buchstände mit Büchern und Dekogegenständen, dahinter die Menschen, die die jeweiligen Stände betreuenSo sieht Buchzauber aus: Die Hallen der Burg boten einen freundlichen Rahmen für Aussteller*innen der unterschiedlichsten Genres. (Bild: Bella Volen)

Nett war, dass ich in Ruhephasen immer wieder die Möglichkeit hatte, die anderen Aussteller*innen an ihren Tischen zu besuchen, ihre kreative Deko zu bewundern und mich von der Begeisterung für ihre Geschichten mitreißen zu lassen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Aquarium mit bunten Gummienten, die die Standbesucher*innen herausfischen konnten, um Preise oder Rabatte zu gewinnen. Bunte Blumen, Lichterketten in Formen von Buchseiten oder Eulenstatuen bildeten ebenfalls schöne Hingucker, die zur warmen Atmosphäre beitrugen. Durch das Teilen unserer Social-Media-Accounts und die vielen geposteten Fotos hatten wir alle die Gelegenheit, unser Netzwerk und unsere Online-Präsenz anzukurbeln und auszubauen.

Die Vorteile kleiner, regionaler Buchmessen

Auch mit VFLL-Kolleg*innen konnte ich mich austauschen. Für Annett Geselle, eine erprobte Messe-Besucherin, sind die Buchmessen immer besondere Höhepunkte im Jahr. Sie mag auf den regionalen Messen vor allem die entspannte, vertraute Atmosphäre und brachte das so auf den Punkt: „Anders als auf den großen internationalen Messen, bei denen man sich oft zwischen riesigen Hallen und endlosen Besucherströmen verliert, ist auf den kleinen Buchmessen sofort spürbar, wie nah Literatur und Menschen zusammenrücken.“

Die Vorteile liegen für Annett auf der Hand und ich kann ihr da nur recht geben: Man kommt auf den kleinen Messen sehr schnell mit Autor*innen ins Gespräch, tauscht sich mit kleinen Verlagen aus und trifft Kolleg*innen, mit denen man bisher nur online vernetzt war.​ „Meine intensivsten Netzwerkkontakte sind auf regionalen Buchmessen entstanden, die wir von Buchmesse zu Buchmesse verfestigen und weiter ausbauen“, sagt Annett. „Während auf den großen Buchmessen oft das Geschäft im Vordergrund steht und Gespräche in der Hektik untergehen, nehmen sich Besucher*innen auf den regionalen Messen Zeit.“

Foto von der Lektorin Rebekka Haindl vor einem Banner mit ihrem Logo der "Wörteule". Sie sitzt an ihrem Stand, der dekoriert ist mit Wörtereulen-Visitenkarten, gehalten von einem Drachen. Auf dem Tisch steht auch die Figur einer Eule, es liegen Lesezeichen und Stifte aus.

Als Lektorin mit ihrem eigenen Stand vertreten war die Autorin dieses Beitrags, Rebekka Haindl aka die Wörtereule

Wenn die Buch-Bubble wächst

Auch mein Fazit der regionalen Buchmessen, ob in Österreich oder Deutschland, ist bisher durchaus positiv. Wer mit dem Ziel hingeht, Kontakte zu knüpfen und sich einfach mal kennenzulernen, wird hier auf jeden Fall eine schöne Zeit haben. Durch den gemütlichen Rahmen entstehen viele Möglichkeiten, ausführlich mit Gleichgesinnten zu plaudern, was sich bei größeren Buchmessen mit Tausenden Besucher*innen schwieriger gestaltet. Neben vielen aktiven oder beginnenden Schreibenden blieben die ein oder anderen Sprachdienstleister*innen an meinem Stand hängen und wir tauschten uns im angenehmen Umfeld über die Bücherwelt aus. In Österreich ist der VFLL noch bei Weitem nicht so bekannt wie in Deutschland – aber es war nicht schwer, die Leute von seinen Vorzügen zu überzeugen: Die meisten waren begeistert von der Idee eines Netzwerks wie dem VFLL, in dem wir uns gegenseitig als Kolleg*innen zur Seite stehen!

Mit den Buchmessen Hannersberg, Tulln und Wels in den nächsten Monaten beginnen die kleinen Messen in Österreich gerade erst aufzuleben und finden jetzt schon großen Anklang. Wir blicken also optimistisch dem Wachstum unserer kleinen Bubble entgegen und ich bin bei den nächsten Terminen definitiv wieder dabei! Vielleicht sehen wir uns ja?

Kommende Termine:

Buchmesse Buchzauber, 14. März 2026, Hannersberg
Wiener Ball der Bücher, 11. April 2026, Palais Niederösterreich in Wien
Buchmesse Buchrausch, 20. und 21. Juni 2026, Messe Wels
Vorarlberger Buchmesse, 5. September 2026, 09:00–18:00 Uhr, Dornbirn
Buchmesse Buchliebe, 3. Oktober 2026, 10:00–17:00 Uhr
Gänserndorf (NÖ)
BÜCHER(T)RÄUME, 17. Oktober 2026, 09:00–18:00 Uhr, Mariahilfberg, Gutenstein
Buch Tulln, 24. und 25. Oktober 2026, 09:00–18:00, Messegelände Tulln
Buchmesse Burg Forchtenstein, 7. November 2026, 10:00–18:00, Forchtenstein

Text: Rebekka Haindl
Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild: Copyright Sandra-Michelle Strausz

Rebekka Haindl: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis

VFLL on tour:
Der VFLL auf dem WIR-Festival in Halle (Saale)
Von der Teetied bis zum Törtchen: Ausflug der RG Niedersachsen/Bremen

Aktuelle Bücher von VFLL-Mitgliedern:
„Ein gutes Ende“ über Hedwig Courths-Mahler
Sonne, Freiheit, Abenteuer: Roadtrip durch Australien
Halbgott von Neo Helm – Lesung trifft kollegiales Coaching

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