Cover des Buchs "Bodo Kampmann. Ein Künstlerleben in Braunschweig". Zeigt seine Plastik Justitia.

Bärbel Mäkeler: Bodo Kampmann – ein Künstlerleben in Braunschweig

Seine Kunst prägt das Braunschweiger Stadtbild bis heute – und doch kennen viele den Künstler nicht: Bodo Kampmann wäre fast in Vergessenheit geraten. Hätte VFLL-Mitglied Bärbel Mäkeler nicht ein Buch über ihn geschrieben. Was macht den Mann aus, dessen Plastik „Werdende Mutter“ einst so skandalös schien, dass manche Männer befürchteten, sie könne einen ungewollten Schwangerschaftsabbruch einleiten?

Wenn jemand noch nie von Bodo Kampmann gehört hat, wie beschreibst du ihn dann in drei Sätzen?

Bodo Kampmann entstammte einer umtriebigen Künstlerfamilie, die sich in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts mit vielen Künstlern der Moderne wie Feininger, Klee oder Kandinsky umgab. Er selbst lebte ein Leben in familiärem Kunterbunt, hatte er doch fünf Kinder von drei Ehefrauen. Sein Leben verbrachte er in Berlin, in Tirol und in Braunschweig, wo er identitätsstiftend in vier Bereichen wirkte: mit öffentlichen Plastiken, Schmuck und Produktdesign sowie am Staatstheater in Braunschweig.

Drei Fotos, oben links weiße schlichte Keramik: eine Kanne und zwei Tassen mit Untertellern. In der Mitte ein Silberring mit einem gehörnten Gesicht darauf. Rechts die Zeichnung eines roten Kostüms mit Schild und Stab.

Kampmann arbeitete in den unterschiedlichsten Bereichen. Von links nach rechts Beispiele für seine Werke im Produkt-, im Schmuckdesign und als Kostümbildner (Fotos v. l. n. r. Bärbel Mäkeler, Bärbel Mäkeler, Familienarchiv Kampmann).

Was macht für dich die Faszination an ihm aus? Wie kam es, dass du ein Buch über ihn schreiben wolltest?

Mich fasziniert zum einen Kampmanns künstlerische Vielfalt, die in allen vier Bereichen durch seine Formensprache wiedererkennbar ist. Da ich ein Fan der Fünfzigerjahre bin, beeindruckte mich von Anfang an seine Fähigkeit zur Abstraktion – er schafft zum Beispiel Tierkörper, die nach dem Motto „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“ gestaltet sind. Ich hatte Kampmann schon in meinem ersten Buch über die Fünfzigerjahre mehrere Seiten gewidmet und als ich feststellte, dass es noch so gut wie keine Literatur über ihn gibt, waren mein Interesse und dann mein Ehrgeiz geweckt. Ich begann mit 30 Exponaten von ihm und habe, auch mithilfe der Familie, um die 300 Objekte entdeckt und dokumentiert.Stilisierte Plastik einer Kuh mit großem, etwas unförmigem Körper, kleinem Kopf und kleinen Stelzenbeinen auf einem Holzblock

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ – das war Kampmanns Motto nicht nur für seine Plastiken von Tierkörpern (Foto: Dr. Dorothea Dersch)

Wie organisierst du das Schreiben neben der Arbeit als Lektorin? Wie sieht dein Schreibprozess aus?

Das ist ganz einfach: Erst kommt mein Job als bezahlte Lektorin und Autorin, dann erst kommt das Schreiben über mich interessierende Themen. Hat es mich aber erst mal gepackt, dann klebe ich quasi am Schreibtischstuhl. Dann nutze ich jede freie Minute, um zu recherchieren oder Ergebnisse einzuordnen. Und das alles am Rechner, nur am Bildschirm kann ich denken und formulieren, mit Papier und Stift ginge das nicht (mehr).

Stilsierte Skulptur einer schwangeren Frau, die Form wird nur durch Striche angedeutet, eine Art goldenes Ei bildet den Bauch

Das Werk „Werdende Mutter“ galt 1961 als so obszön, dass es für Jahre abgenommen werden musste. Seit 1966 hängt es in der Frauenklinik des Städtischen Klinikums in Braunschweig.

Bist du beim Schreiben auf besondere Herausforderungen gestoßen?

Oh, ja! Da Bodo Kampmann in Vor-Internet-Zeiten lebte, gibt es ganz wenig über ihn im Netz zu finden und manche Archive waren überhaupt nicht ergiebig. Meine Informationen habe ich größtenteils über Presseberichte und einen riesigen Fundus bei den drei Töchtern, mit denen ich in Kontakt war/bin. Da hatte ich richtig Glück, denn ohne einen zufälligen privaten Kontakt hätten die Kampmann-Frauen kein Vertrauen zu mir gefasst und sie hätten mich wohl nicht unterstützt.

Und wie lange hat es gedauert, bis das Buch fertig war?

Drei Jahre habe ich drangesessen mit einer Auszeit von einem halben Jahr, als meine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Kunstverein Vorrang hatte.

Schwarz-Weiß-Foto des noch jungen Künstlers Bodo Kampmann, der mit weißem Kittel auf einem Hocker sitzt

Bodo Kampmanns Wirken in Braunschweig ist Thema des dritten Buchs von Bärbel Mäkeler (Foto: Familienarchiv Kampmann)

Das Buch über Bodo Kampmann ist dein drittes Werk. Du hast schon über die Fünfzigerjahre im Stadtbild von Braunschweig geschrieben und über deine bunte Vergangenheit im Varieté Savoy. Wie findest du deine Themen? Wann ist etwas so interessant, dass ein Buch daraus werden muss?

Das Savoy-Buch war ja ein ganz persönliches Projekt, die anderen entspringen meinem Interesse an den Fiftys, an Architektur und Kunst. Zudem bin ich eine Sammlerin, sodass es mich bei jeglichen Themen antreibt, Dinge, Objekte, Infos aufzuspüren und in eine informative Form zu gießen.

Dein erstes Buch hast du in einem Verlag herausgegeben, das zweite und das dritte im Selfpublishing. Was sind für dich die Vorteile im Selfpublishing?

Der wichtigste Grund ist der, dass ich immer eine recht genaue Vorstellung davon habe, wie ein Buch aussehen soll und wie es gestaltet ist. Beim ersten Buch hatte ich die Situation, dass ich Grafiker hatte, deren Entwurf der Verlag 1 : 1 übernahm. Das war auch kein Wunder, denn der Verlag hat die Kosten für den Druck nicht selbst getragen. Zudem interessieren mich oft Nischenthemen, die sowieso nicht in ein Verlagsprogramm aufgenommen werden. Ein Traum wäre es allerdings, einmal einen Verlag zu finden, der meine Themen gut findet und dem es etwas wert ist, sie aufzulegen und zu vermarkten. Bisher habe ich Letzteres immer selbst getan.

Ist das nächste Projekt schon in der Pipeline und wenn ja, kannst du dazu was verraten?

Nein und nein (lacht).

Autorinnenfoto von Bärbel Mäkeler, die ein Bild von Kampmanns Justitia unter den Arm geklemmt hat

Bärbel Mäkeler vor einer Betonmauer von Bodo Kampmann mit der Justitia (Foto: Martin Brandes)

 

Bärbel Mäkeler: Bodo Kampmann. Ein Künstlerleben in Braunschweig. ISBN 978-3-00-083200-0, 22 Euro. Erhältlich bei der Autorin selbst oder im Buchhandel.

Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild: Cover: Bodo Kampmann. Ein Künstlerleben in Braunschweig (Designerin: Inge Bosse)

Bärbel Mäkelers Website und Profil im VFLL-Verzeichnis

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