Flieder in verschiedenen Lila- und Rosatönen ist in einem Korb dekoriert

„Wenn jemand eine Laudatio verdient hat, dann Claudia“

Vorstand, Sprecherin, Fortbildungsbeauftragte – Claudia Huber hatte in den letzten Jahr(zehnt)en schon fast jedes Amt im VFLL inne. Zeit, dass wir aus ganzem Herzen Danke sagen: für ihr Engagement, ihre Visionen, ihre ruhige Verlässlichkeit. Für ihr Wahnsinns-Know-how und die Bereitschaft, dem Verband so viel Zeit und Herzblut zu schenken!

„Der VFLL gibt mir viel, ich gebe etwas zurück.“ Das hat Claudia Huber in einem Interview zu ihrer Ehrenmitgliedschaft gesagt. Über die Definition von „etwas“ kann man vielleicht streiten: Claudia ist nun etwa 22 von den 25 Verbandsjahren dabei und war in dieser Zeit nicht nur häufig Sprecherin ihrer Regionalgruppe und Delegierte. Sie hat auch unterschiedliche Mailinglisten moderiert und betreut den Verband ohnehin schon lange in technischen Dingen.

Eine Geschichte ihres Engagements ist gleichermaßen eine Geschichte davon, welche Organisationstools der wachsende Verband schon ausprobiert hat: Sie hat sich ums ehemalige VFLL-Wiki gekümmert, ums ehemalige Forum Agora, ums VFLL-Intranet Open Atrium, mit dem sich die Aktiven im Verband früher organisiert haben. Auch als Open Atrium vom KollTool abgelöst wurde, blieb Claudia für viele Aktive eines der ersten Gesichter, dem sie in ihrem VFLL-Engagement begegneten. Sie macht nämlich bis heute die Einführungen in das besagte Tool.

Dabei arbeitet sie häufig mit Ulrich Kilian zusammen. Der IT-Beauftragte lobt die Zusammenarbeit sehr und merkt augenzwinkernd an: „Bei Claudia muss man durch ihre IT-Affinität nicht lange in dicke Balken bohren.“ Seiner Schilderung nach packt sie dabei auch immer wieder Sachen an, die so tief in die Materie gehen, dass „9,9 von 10 LektorInnen vermutlich an dieser Stelle gestreikt hätten“.

»Ihre absolute Zuverlässigkeit werden alle kennen und zu schätzen wissen, die jemals mit Claudia zu tun gehabt haben. Vor allem aber ist es ihr unermüdlicher, über jedes normale Maß hinausgehender Einsatz für den Verband durch die ganzen, teilweise sehr schwierigen Jahre, für den ich ihr – als Verbandsmitglied, aber auch sehr persönlich – von Herzen dankbar bin.«
Rainer Schöttle

Eine Reise durch die Jahre und die Ämter

Hört man sich bei Menschen um, die Claudia auf ihrem Weg begleitet haben, kommt die Sprache immer wieder auf ihre ruhige Hartnäckigkeit, ihren großen Einsatz und ihre Präzision. Monika Rohde zufolge ist sie eine „taffe, umtriebige, genaue Frau, die an vielen Stellen im Verband mitgemischt hat“. Irgendwie scheint sie sich in allem auszukennen. Nadja Nitsche sagt: „Wenn ein Gespräch unter Kolleg_innen bei einem ‚Man könnte vielleicht mal‘ angekommen ist, dann weiß Claudia schon längst, wie es geht, hat ein Konzept fertig und/oder ist Teil der Arbeitsgruppe, die sich darum kümmert.“

Joachim Fries erinnert sich vor allem an ihre konstruktive Art und dass sie sich in so vielen unterschiedlichen Funktionen engagiert hat, ohne jemals großes Aufheben davon zu machen. „Claudia ist immer hilfsbereit und übernimmt auch leidige Aufgaben wie Protokolle schreiben“, sagt er, und endet auf: „Wenn jemand eine Laudatio verdient hat, dann Claudia.“

Und das stimmt, denn wir sind noch nicht in Ansätzen durch mit allen Punkten, in denen sie den VFLL geprägt hat. Wie Christine Kauer so schön sagt: „Gefühlt – nö, eher tatsächlich – hat sie bis vom einfachen Mitglied über RG-Sprecherin, Regionalrat und Vorstandsvorsitz schon alle Ämter innegehabt, die der Verband hergibt.“ In diese Liste gehören natürlich auch ihre Jahre als Fortbildungsbeauftragte.

Ihre Nachfolgerin Barbara Buchter erinnert sich bis heute, wie perfekt Claudia damals die Übergabe vorbereitet hatte mit allen Unterlagen, Vorlagen, Was-bisher-geschah-Infos: Das war „ein gemähtes Wiesle, wie wir im Schwäbischen sagen.“ Barbara war und ist beeindruckt von dem, was Claudia zusammen mit Joachim Fries über die Jahre aufgebaut hat. Sie sagt: „Claudia hat in ihrer Zeit erst als Vorständin und dann als Fortbildungskoordinatorin zweifellos den Grundstein für die heutige VFLL-Akademie gelegt und die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung innerhalb des Verbandes in den Fokus gerückt.“

»Claudia ist für mich der personifizierte Verband. Als ich mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit begann, mich über den VFLL zu informieren, führten alle Wege zu ihr. Auf vielen Dienstreisen oder in mancher Arbeitsgruppe durfte ich später auch den wertvollen Menschen Claudia kennenlernen. Uns hat von Anfang an die Technikaffinität verbunden, ob beim Austausch in Regionalgruppentreffen oder bei gemeinsamen Projekten wie dem VFLL-Leitfaden, ob gedruckt oder als E-Book. Sehr gern erinnere ich mich auch an die Fortbildung auf dem Frankfurter Mediencampus, die wir zusammen mit Barbara Lauer gehalten haben und die viel Know-how von uns als Team verlangt hat. Ich möchte sagen: Danke, liebe Claudia, dass du so bist, wie du bist.«

Sylvia Jakuscheit

Thüringen? Nicht ohne Claudia

Doch Claudia Huber ist nicht nur die großen, überregionalen Themen angegangen. Ihr war immer auch wichtig, dass der VFLL eben nicht nur aus dem Überregionalen besteht, sondern aus einzelnen Menschen, die sich in ihren Regionen miteinander verbinden. Die Regionalgruppe in Thüringen hat Claudia aufgebaut, und auch, wenn die Mitglieder mittlerweile zur RG Leipzig dazugehören: Alle erinnern sich an Claudia als ihren Mittelpunkt.

Karen Opitz erzählt es so: „Claudia hat unser sehr überschaubares Häuflein hier in Thüringen zusammengehalten und sich auch von Treffen zu zweit – wenn es mal wieder Absagen gehagelt hat – nicht entmutigen lassen.“ Fast noch wichtiger ist Karen allerdings, zu sagen: „In allen Fragen – nicht nur in fachlichen! – ist Claudia immer ansprechbar und kompetent: einfach jemand, mit dem man gern zusammen ist.“

Diesen Eindruck bestätigt Bärbel Philipp: „Claudia ist diejenige, die auf jede E-Mail-Frage sofort und immer kompetent antwortet. Und sie ist diejenige, die uns ‚Übriggebliebene‘ in Erfurt zumindest ein paar Mal im Jahr zusammenbringt.“ Als Bärbel von München nach Jena zog, kam Claudia sogar zu ihr nach Hause, um ihr die Idee einer Thüringer Regionalgruppe näherzubringen! Kein Wunder, dass Bärbels Fazit ist, was viele andere auch immer wieder anklingen lassen: „Für mich ist Claudia immer DAS Gesicht des VFLL und wird es auch bleiben.“

»Eine, maximal zwei Handvoll Menschen begleiten den Verband bereits ewig stetig. Sie kennen die Entwicklungen, die Argumentationen, die harten und weichen Fakten; sie haben den Verband mitentwickelt über alle Hochs und Tiefs hinweg. Sie sind ein Quell des Ausgleichs. Unsere Felsen in der Brandung. ‚Du weißt etwas nicht? Dann frag mal Claudia, Claudia Huber!‘ Ich hoffe, die AG Historie fragt Claudia gründlich aus, solange sie noch Lust auf uns hat. Liebe Claudia, der Ruhestand sei dir wirklich gegönnt.«
Angelika Pohl

Porträt von Claudia Huber vor einem See

Hat den VFLL durch ihr Engagement mitgeprägt: Claudia Huber (Foto: privat)

„Frau Regionalrat“

Wie verbindet man die einzelnen Mitglieder in ihren Regionalgruppen mit dem großen Ganzen? Wie funktioniert es, dass in einem Verband von rund 1350 Menschen dennoch die Probleme der weit verstreuten Mitglieder gehört werden? Dass es ihre Themen zum Vorstand schaffen und der Verband aktiv an Lösungen arbeitet?

Der Regionalrat ist ein wichtiges Werkzeug, um die regional organisierten Gruppen mit der überregionalen Struktur des Verbands zu verbinden. Und Claudia war in ihm präsent wie nur wenige. „Frau Regionalrat“ nennt Birgit Scholz sie, und eine Person, „mit der man alle Probleme des VFLL diskutieren und neue Ideen entwickeln kann“. Andrea Wicke hat viel bedeutet, wie Claudia sie 2013 im Regionalrat willkommen geheißen hat. Sie erinnert sich vor allem an die vielen Mails, in denen Claudia ihr breites Wissen ganz unaufgeregt teilte.

Andreas Fazit? „Claudia ist für mich eine starke Frau und darin Vorbild: sehr engagiert, fleißig und zuverlässig, dabei uneitel, immer gut informiert, durchaus dezidiert und ausdauernd freundlich.“

Ein aufgeräumtes Gedächtnis

Die immense Kompetenz nennen viele, mit denen man über Claudia spricht. Manche vermuten gar ein übermenschliches Gedächtnis. Rainer Schöttle klingt heute noch verwundert, wenn er davon erzählt. „Wenn in irgendwelchen Besprechungen in Vorstand oder Regionalrat ein Sachverhalt aus der Vergangenheit – ein Beschluss, eine Diskussion, eine Protokollnotiz – herangezogen werden musste, hatte Claudia ihn sofort parat“, sagt er. „Und während unsereins aus vager Erinnerung heraus noch so etwas murmelte wie ‚stimmt, da war mal so etwas …‘, hatte Claudia das entsprechende Protokoll bereits auf dem Bildschirm und die jeweiligen Zusammenhänge wieder im Kopf.“ Kein Wunder, dass er sie nach eigenen Angaben für dieses „aufgeräumte Gedächtnis“ stets bewundert und manchmal auch beneidet hat.

Damit ist er nicht allein: Auch Barbara Buchter staunt nach wie vor über „das schier unerschöpfliche Wissen über die Aktivitäten, Historie, Personen und Kontakte innerhalb des Verbands“, das Claudia mitbringt. „Egal, was ich nachfragte – Claudia hatte die Antwort und meist auch gleich die passenden Unterlagen dazu.“ Christine Kauer wiederum ist der festen Überzeugung: „Es gibt keine VFLL-Frage, die Claudia nicht beantworten kann.“ Sie allerdings hat ihre eigene Theorie dazu: Vielleicht hat Claudias Tag einfach mehr als 24 Stunden?

Der Gedanke hat schon was für sich. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie auch auf den Arbeitstagungen in Kassel schon hellwach durch den Garten gelaufen ist, wenn andere gerade erst aus dem Bett rollten? Dass ihre Freizeit nicht durch all ihr ehrenamtliches Engagement im VFLL bis zum Bersten gefüllt ist? Gerüchten zufolge war da nämlich Zeit für Birdwatching und die Marmeladenherstellung. Sogar Geschmacksproben haben Birgit Scholz und sie sich hin und hergeschickt! Vielleicht sollten wir uns auch in dieser Hinsicht ein Beispiel an Claudia nehmen und herausfinden, „wie entspannend es ist, in einem großen Topf mit blubbernder, köstlich duftender Marmelade zu rühren“, wie Birgit so schön sagt.

»Claudia Huber geht in Rente? Mein erster Gedanke ist: Das kann ich mir gar nicht vorstellen! Ich habe sie als rastlose Streiterin für den VFLL und die Weiterentwicklung des Freien Lektorats kennengelernt. Mit ihrem Engagement hat sie mich gleich angesteckt – und ins VFLL-Fortbildungsteam geschnackt. Aber gleich als Zweites fällt mir ein, dass Claudia mir oft von ihren Vogelbeobachtungen in Skandinavien erzählt hat. Auch beim Birdwatchen war ich damals ein Neuling und habe interessiert zugehört. Wenn ich daran denke, kann ich’s mir schon viel besser vorstellen: Claudia im Ruhestand, mit dem Fernglas in der Hand und viel Zeit für diese Leidenschaft. Und das wünsche ich Dir, liebe Claudia, dass Du jetzt noch mehr Zeit für schöne Momente in der Natur findest.«

Felix Wolf

Danke

Und nun? Claudia geht in Rente und wenn man VFLL-Mitglieder darauf anspricht, sind sie gemischter Gefühle. Alle wünschen ihr nur das Beste, alle gönnen ihr mehr Ruhe. Aber vielen geht es gleichzeitig so wie Ines Balcik: „Den VFLL ohne Claudia kann ich mir gar nicht vorstellen.“

Das müssen wir zum Glück auch nicht. Auch wenn einige von uns kurz gezittert haben: Claudia bleibt uns erhalten als aktives Mitglied zweier AGs, als unsere große Wissensdatenbank, als famose Marmeladen-Gesprächspartnerin und als KollTool-Heldin.

Dennoch wollten wir den Meilenstein Rente zum Anlass nehmen, um Danke zu sagen. Denn das ist ganz und gar in Claudias Stil, wie Nadja Nitsche erzählt: „Als gerade gewählte RG-Sprecherin habe ich von Claudia einen Hinweis gehört, den ich seither zu beherzigen versuche: Nicht vergessen, engagierten Menschen auch mal Dankeschön zu sagen.“ Nadjas Fazit aus diesem Rat können wir uns nur aus ganzem Herzen anschließen, sie sagt nämlich: „Also, liebe Claudia: mehrere sehr große bunte Dankeschöns (mit Schleifen) und einen gedanklichen Candystorm für dein riesiges Engagement!“

Text: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild: RitaE via Pixabay

Noch mehr Claudia im VFLL: auf einem Ausflug mit ihrer RG Leipzig nach Chemnitz
Noch mehr Frauen, die den VFLL geprägt haben: Interview mit Lisa Dorner und Annette Gillich-Beltz zur Gründung des VFLL
Ein Blick in die Zukunft? Der VFLL hat die Korrektur-KI Textshine getestet

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert