5 Hallen, 313.000 Besucher*innen und etwa 2.000 Aussteller aus 54 Ländern: Das war die Leipziger Buchmesse 2026. Für den VFLL-Blog war Thomas Schnakenberg unterwegs in den heiligen Hallen. Hier sein Rückblick auf 3 Tage voller Bücher und Begegnungen.
It is a truth universally acknowledged, that a Lektor*in in possession of good taste, must be in want of a Buchmesse.
So oder so ähnlich beginnt mein diesjähriges literarisches Abenteuer in Leipzig – dieses Mal nicht als reiner Leser, sondern als frisch gebackener professioneller Lektor. Und das bedeutet: Planung, Vorbereitung, Hausaufgaben. Sich nächtelang durch den Veranstaltungskalender wühlen, Ausstellerverzeichnisse auswendig lernen, Lagepläne zeichnen und die besten Routen ausbaldowern, damit man auch alles unterbringt … wenn man denn Zeit dafür hat.
Hab ich nicht, und so fahre ich für drei Tage vollkommen ungeplant auf die Leipziger Buchmesse, nur mit Tickets und einem kleinen Stellplatz für meinen Camper mit Blick auf einen Tierfriedhof.
Der Donnerstag fängt vielversprechend an. Flankiert von einer Gruppe K-Pop Demon Hunters (und anderen Manga-Figuren, bei denen ich aufgrund meines Alters nie zugeben würde, dass ich weiß, wen sie darstellen) lasse ich mich durch die Hallen treiben. Dabei bin ich immer mittendrin im Gewühl, aber nie so eingeengt, dass ich die Hauptdarsteller des Events nicht bewundern könnte: die Bücher. Groß, klein, mit Schnittverzierung und ohne, Krimi und Spicy, Romantasy und Akkordeonnoten für Beatles-Songs. Was willst du mehr?
Und überall SO. VIELE. MENSCHEN.
Aber ich finde das schön. Lesende zahlen immerhin meine Miete (im übertragenen Sinne) und lassen mich auch ein wenig positiver in die Zukunft der Menschheit blicken.
Am besten Stand der Leipziger Buchmesse: Thomas Schnakenberg und Annalena Rauh (Foto: Sibylle Schütz).
Standdienst für den VFLL und mehr
So philosophierend verpasse ich fast meinen ersten VFLL-Standdienst. Aber nur fast. Eingerahmt zwischen den BücherFrauen und der Leipziger Textwache verbringe ich den Tag mit interessanten Gesprächen mit Kolleg*innen, Besucher*innen und potenziellen Bestsellerautor*innen. Dazwischen immer wieder rein ins Getümmel. So geht Messe.
Was am Freitag nicht mehr geht, sind meine Füße, zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem ich es gerne hätte. Also lass ich es etwas ruhiger angehen, denn auch das funktioniert in Leipzig. Nette Begegnungen (Gruß an meine Tandem-Patin!), hochpreisiges Essen und jede Menge interessanter Vorträge. Von „Tropes, Tabus und Tiefgang“ über Unterricht in Sachen Mord bis hin zu Tipps für eine erfolgreiche Buchpremiere nehme ich eine ganze Menge mit. Außerdem treffe ich Sebastian Fitzek … na gut, ich sehe die Menge, die um die Menge herumsteht, die Sebastian Fitzek treffen will. Ich werte das trotzdem mal als Erfolg.
Ab auf die #lar26
Der Samstag steht bei mir dann ganz im Zeichen der Autor*innenrunde im Congress Center Leipzig. Keine nennenswerten Schlangen beim Einlass, Platz, um seine eigenen Füße zu sehen, und kostenlose Getränke? Wenn jetzt die Vorträge und Workshops in den einzelnen Tischrunden noch passen, komme ich wieder.
Spoiler: Ich komme wieder.
Und wen es interessiert: Ich bin nun unter anderem bestens darüber informiert, wie ich erfolgreiches Social-Media-Marketing betreiben kann, auch ohne in eine überdimensionale Tasse Kaffee springen zu müssen. Ich weiß jetzt, wie ich es schaffe, bei meinen Büchern über die grauenvolle Hürde in der Mitte zu kommen. Und für den Fall der Fälle habe ich ab jetzt auch noch einen mentalen Erste-Hilfe-Koffer für Autor*innen im Gepäck, man weiß ja nie.
Was nehme ich sonst noch mit von drei Tagen Leipziger Buchmesse?
- Ein bisschen Vorbereitung schadet nicht …, aber im Endeffekt kommt dann eh alles anders. Ist immer so, sagt einem nur niemand.
- Visitenkarten. Klein, praktisch, und wenn man dann doch mal in Erinnerung bleiben will, unerlässlich.
- Verpflegung. Nichts gegen die Angebote vor Ort (durchaus gut und vielfältig), aber wenn man am Ende noch Spritgeld für den Heimweg benötigt, sollte man sich vielleicht schon frühzeitig nach Alternativen umsehen.
- Bessere Schuhe. Egal, für wie gut man seine Schuhe hält. BESSERE Schuhe.
- Standdienst für den VFLL. Einfacher kann man auch als leicht introvertiert veranlagter Messeneuling nicht ins Gespräch kommen. Und Spaß macht es auch noch.
- Augen und Ohren offen halten. Chancen und interessante Gelegenheiten kommen oft aus den seltsamsten Richtungen.Und schließlich:
- Wenn man einen Blogartikel mit Jane Austen beginnt, sollte man auch damit enden:
Leipziger Buchmesse, you must allow me to tell you how ardently I admire and love you.
Wir sehen uns 2027!
Thomas Schnakenberg: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherfoto: Sibylle Schütz
Zum Weiterlesen:
Noch nicht genug Messetrubel? Hier geht’s zum Artikel über kleine Buchmessen in Österreich
Auch VFLL-Mitglieder schreiben, z. B. über den Braunschweiger Künstler Bodo Kampmann
Thema auf der Messe und im Berufsalltag: Wie verändert KI die Buchbranche? Die AG KI hat narratiQ getestet