Gemeinsam arbeiten und die Sonne in Südfrankreich genießen – so lässt es sich aushalten! Drei VFLL-Mitglieder haben das Abenteuer „Co-Workation“ gewagt. Hier teilen sie ihre Erfahrungen und geben Tipps, wie man Produktivität und Gemeinschaft verbindet.
von Andrea Görsch, Katrin Opatz und Kathleen Posvic
Co-Work – was? Etwas Arbeit, ein bisschen Urlaub, zusammen mit Gleichgesinnten. Das nennt sich Co-Workation. Wobei der letzte Teil des Begriffs ein Kofferwort ist, eine Verschmelzung der Wörter Work und Vacation.
Apropos Koffer: Der wird für eine Workation anders gepackt als für einen reinen Urlaub. Dazu später mehr, zunächst einige Informationen zur Workation selbst. Laut Wikipedia ist dieses Konzept gerade einmal zehn Jahre alt. Dennoch hat es das feminine Substantiv bereits in den Duden geschafft.
Die Klientel, die sich für Co-Workations begeistert, ist typischerweise in ihren Dreißigern, technikaffin und ungebunden. Nun ja, damit haben wir drei Lektorinnen dem Begriff eine weitere Altersspanne geschenkt – bitte schön! Wir drei Lektorinnen? Das bringt uns zur Frage: Wie entstand das Co in Co-Workation?
How I met my Co-Workationers
Zwei von uns hatten bereits Workation-Erfahrung – Andrea und Katrin –, aber es war Katrin, die auf den Einfall mit dem Co kam. Nach ihrer Workation in Montpellier 2023 wollte sie andere von der Stadt als optimalem Workation-Ort überzeugen. Warum? Weil das Klima mediterran ist und in der Nähe Flamingos leben.
[Bilder bunte Treppe und Sprungturmhaus]
In Montpellier gibt’s einiges zu sehen, zu den Wahrzeichen gehören die bunte Treppe und das Wohnhaus „L’arbre blanc“ (zu Deutsch: „Der weiße Baum“), dessen viele Balkone bis zu 7,5 Meter hinausragen. (Foto: privat)
Mitreisende mussten also her. Katrin fragte Kathleen aus der Regionalgruppe Niedersachsen/Bremen, die für eine dritte Person plädierte. Am liebsten sollte es jemand sein, den beide bereits kannten. Deshalb schrieben sie weitere Personen innerhalb der RG an, unter anderem Andrea, die schon lange mal wieder eine Workation machen wollte.
Vive le Co-Workation Mission Flamingo!
Die Co-Workation nimmt Gestalt an
Wir sind alle drei organisiert und gründlich. Flugs wurde darum ein Padlet erstellt, in dem es Kategorien gab wie An-/Abreise, Haushalt und Unbedingt mitnehmen. Wir richteten außerdem die Chatgruppe Mission Flamingo ein und zoomten mehrmals miteinander.
Eine Ferienwohnung musste gefunden, Informationen zur Reise (Flugzeug? Zug? Auto?) eingeholt und das Transportmittel unserer Wahl gebucht werden. Diese und weitere Aufgaben teilten wir untereinander auf.
Da Katrin bereits sechs Wochen in Montpellier verbracht hatte, verließen sich Kathleen und Andrea darauf, dass sie sich in der Stadt bereits auskannte: Was kann man dort unternehmen? Wie funktionieren die öffentlichen Verkehrsmittel? Wie kommen wir zu den Flamingos? In der Zeit lernten wir uns besser kennen, was wichtig war, um eventuelle Reibungspunkte für die Workation zu reduzieren.
Spontan mit Plan vor Ort
Montpellier ist ein reizendes Städtchen in Südfrankreich – und da wollten wir arbeiten? Unsere Kundschaft besteht aus Unternehmen und Einzelpersonen, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten. Zudem waren am Horizont einige Deadlines zu sehen.
Damit das Arbeiten gelingt, hatten wir uns im Vorfeld auf einen möglichen Tagesablauf verständigt, der Freiräume und Platz für Gewohnheiten bot. Eine frühstückt früh, die andere erst am späten Vormittag. Eine kocht ungern, die anderen tauschen Lieblingsrezepte aus. Eine benötigt einen festen Plan, die anderen „workation“ auch ohne.

Konzept zum Nachmachen: Nach einem fleißigen Arbeitstag genießen die drei Co-Workationers alles, was Montpellier zu bieten hat. (Foto: privat)
Daraus kristallisierte sich eine grobe Tagesstruktur heraus: individuelles Frühstück, Arbeitszeit bis zum frühen Nachmittag, anschließend (gemeinsame) Freizeit und ein gemeinsames Abendessen. Und die, die ungern kocht, räumt dafür die Küche auf.
Selbstverständlich haben wir den Vacation-Teil genutzt, um bei den Flamingos vorbeizuschauen, die in den Salzseen vor der Mittelmeerküste Montpelliers leben. Natur- und Stadtausflüge haben sich in etwa die Waage gehalten: An einem Tag war uns nach Bummeln in den kleinen Lädchen der Altstadt, am nächsten nach einem Spaziergang am Ufer des Lez. Die Kulinarik Südfrankreichs stand dabei immer im Fokus: Fromage! Baguette! Macarons!
Für ein glückliches Gelingen empfehlen wir …
Falls du an dieser Stelle schon damit begonnen hast, in einem anderen Tab nach Unterkünften in Barcelona, Genua oder Stockholm zu schauen, hier ein paar Tipps: In puncto Wohnungsausstattung sind vernünftige Schreibtische unerlässlich. Wir dachten, wir hätten diesen Aspekt beachtet – tatsächlich entpuppten sich unsere „Schreibtische“ eher als Fensterbretter. Zum Glück war der Küchentisch groß genug, sodass wir dort gemeinsam arbeiten konnten und uns nur für Meetings in unsere Zimmer zurückgezogen haben.
Sonst entsprach die Unterkunft unseren Vorstellungen: Eine gut ausgestattete Küche mit Spülmaschine war uns wichtig, weil wir überwiegend selbst und frisch kochen wollten. Individuelle Vorlieben (Balkon, gute Abdunklung) haben wir ebenso berücksichtigt wie gemeinsame Anforderungen: ein eigenes Zimmer für jede von uns, eine ruhige Lage, zwei Bäder.
Ein weiteres zentrales Kriterium: Bettwäsche und Handtücher sollten vorhanden sein – schließlich reist die Arbeitsausstattung mit. Neben dem Laptop lohnt es sich, auch an eine Maus, Tastatur oder externe Kamera zu denken. Wir hatten nur Headsets dabei und würden im Nachhinein vor allem die Ergonomie höher gewichten. Das WLAN sollte stabil genug sein, um mehrere Meetings gleichzeitig zu tragen.
Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, bei der Ansprechperson nachzufragen und zusätzliche Informationen und Bilder anzufordern.

Wer gut plant, kann besser genießen – zum Beispiel zauberhafte Buchhandlungen … (Foto: privat)
Eine großartige Erfahrung
Ein solcher Trip funktioniert vor allem dann gut, wenn sich alle Beteiligten gleichermaßen in die Vorbereitungen einbringen und dabei kennenlernen – so fühlt ihr euch vor Ort auch ohne lange Anlaufphase schnell wohl miteinander. Außerdem solltest du deine Zeit während der Unternehmung weitestgehend selbst steuern können beziehungsweise über eine gewisse Planungssicherheit verfügen, was Auftragslage und Deadlines angeht.
Für uns lag der größte Gewinn in der Kombination aus Produktivität und Gemeinschaft: Wir haben verbindlich gearbeitet und hatten trotzdem genug Freiraum für spontane Pausen, Gespräche und Aktivitäten. Den Alltag anders und gemeinsam zu gestalten, mal Kolleginnen physisch im Raum zu haben – das lohnt sich, inspiriert und verbindet.
Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbilder: privat
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