future!publish 2022

Rückblick: Die digitale future!publish 2022

Am 10./11.2.2022 fand die sechste future!publish wie im vergangenen Jahr als digitaler Kongress statt. Die future!publish ist ein Kongress für die Buchbranche. Marion Voigt hat für den VFLL an beiden Tagen teilgenommen.

Von Marion Voigt

Logo der future!publishNeue Ideen für das Verlegen und Verkaufen von Büchern – dafür bot die future!publish zwei Tage lang eine Plattform, und knapp 320 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit zum Austausch. Diese war offenbar umso willkommener, als am Tag zuvor das Aus für die Leipziger Buchmesse verkündet worden war. Nach dem Motto: Besser ein digitales Treffen als gar keines.

Ich nahm für den VFLL teil und entdeckte im Publikum einige Kolleginnen und Kollegen. Insgesamt, so mein Eindruck, richtete sich das reichhaltige Programm allerdings eher an Mitarbeitende in Unternehmen des herstellenden und verbreitenden Buchhandels.

Organisatorisch und technisch war alles bestens vorbereitet. Dass die Keynote der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gesellschaftspolitische Impulse gab, fand ich sehr gut, zumal mit dem Thema »Haltung und Toleranz statt Hetze und Hass«.

Aufgelockertes Programm

Die Abfolge von 45-minütigen Sessions und 90-minütigen Workshops wurde aufgelockert durch »Buchbranchenspeeddatings« am Vormittag und am Nachmittag, eine Yogapause und ein kleines Rahmenprogramm, bestehend aus der Verleihung des deutschen Buchtrailer Awards, einer Lesung, Musik und Networking im digitalen Café.

Mit der Podiumsdiskussion »Müssen Bücher teurer werden?« griff die Tagung eine Frage auf, die alle am Buchprozess Beteiligten betrifft. Höhere Preise, dabei weniger Titel und effizientere Strukturen seien das Gebot der Stunde. »Irgendwann wird es zu teuer, ein Buch auszuliefern, das zu billig ist«, bemerkte Stephan Schierke (VVA), und Thilo Schmid (Oetinger) forderte, keine austauschbaren Bücher zu machen und die Wertigkeit, auch der Herstellung, klarer zu kommunizieren.

Das Thema Digitalisierung spielte durchgängig eine wichtige Rolle, wie nicht anders zu erwarten. In ihrer Präsentation zur digitalen Transformation im Verlagswesen stellten zwei Mitarbeiter des Herder Verlags anhand ihres traditionsreichen Hauses dar, wie sich »Geschichte in die Zukunft transportieren« lässt.

Innovationen gesucht

Eine weitere Diskussion war am Nachmittag überschrieben mit: »Verbandskasten der Innovation: Was wir als Branche vorweisen können und (noch intensiver) angehen sollten«. Karin Schmidt-Friderichs, Börsenvereinsvorsteherin und Verlegerin, und Peter Kraus vom Cleff, neuer Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins und praktisch Mitveranstalter der Tagung, diskutierten mit Hermann Eckel (tolino media) und Jens Klingelhöfer (Bookwire, ebenfalls BV-Vorstandsmitglied) darüber, wie sich der Verlag als Geschäftsmodell behaupten kann. Es war viel von Needs und sogenannten „pain points“ die Rede, von People und „multi-purpose“.

Workshop »Was KI von Buchmenschen lernen kann«

Referent Ben Kohz stellte im Workshop »Was KI von Buchmenschen lernen kann« die Buchempfehlungs-App READ-O vor. Rechts im Bild: Moderatorin Stephanie Lange.

Das Selbstvertrauen der Branche als Lieferant für Wissen, Werte und Emotionen müsse gestärkt werden, vor allem aber seien neue Wege auszuprobieren, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben – in der Leserschaft wie auch bei den Fachkräften.

Die Workshops am zweiten Tag starteten für mich mit »Was KI von Buchmenschen lernen kann«. Referent Ben Kohz stellte die Buchempfehlungs-App READ-O vor, deren Algorithmus auf Metadaten und emotionsorientierten Buchprofilen basiert. Moderatorin Stephanie Lange brachte die Perspektive des Buchhandels mit ein.

Nachhaltig kreativ

Auf die Session »Was eine gute Zusammenarbeit zwischen Verlag und Dienstleister ausmacht« war ich sehr gespannt, aber leider ging es dann doch nur um ein Praxisbeispiel mit Verlags- und Vertriebssoftware.

Am Nachmittag folgten dann noch eine Session über den zukünftigen Buchmarkt im Metaverse, veranstaltet vom Netzwerk Verlage der Zukunft, und ein Workshop über Nachhaltigkeit im Buchmarkt, ein Stichwort, das den Bogen zurück zum Grußwort von Peter Kraus vom Cleff schlug.

Marion Voigt, Screenshot: (c) privat

Mein Fazit: Zwischen Unternehmensvorstellungen und Best-practice-Beispielen waren die Diskussionen am spannendsten. Eine Creative-Writing-Session setzte eigene Akzente, und ich würde mir wünschen, dass sich beim nächsten Mal mehr Themen im Programm finden, die jene miteinbeziehen, die Bücher schreiben, übersetzen und lektorieren.

Beitragsbild: (c) kconcha / pixabay


Marion Voigts Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis


Zum Programm der 6. future!publish
Save the date: Die 7. future!publish findet am 9. und 10. Februar 2023 statt.


Zu den bereits erschienenen future!publish-Beiträgen:
Digitaler Kongress zum digitalen Publizieren (2021)
future!publish 2019: Ein großer Wandel fürs Lektorat?! (2018)
future!publish 2018: Die Zukunft des Publizierens. Auf der Suche nach dem Text (2018)
„Der Text hat’s in sich‘ – Semantik bei der Content-Strukturierung“ (2018)
Das Lektorat: (k)ein Ort für digitale Innovationen? (2017)
So lesen, arbeiten und publizieren wir in der Zukunft (2017)
Lektoren als Partner in Zeiten des digitalen Wandels (2016)
Print oder digital? Beides – aber anders (2016)

Weitere Beiträge von Marion Voigt:
„Als Lektorin habe ich es unglaublich genossen, meinen Text lektorieren zu lassen“ (2021)
„Ohne Netzwerken kann ich mir meinen Beruf nicht vorstellen“ (2020)
Marion Voigt über „Herr Katz, Isolde und Ich – oder wie macht man eigentlich ein Buch?“ (2015)

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