Elisabeth Lang mit Buch  „Kneißl, der Räuber mit den gelben Schuhen“ 

„Kinder – wie Erwachsene – lieben Räubergeschichten“

VFLL-Kollegin Elisabeth Lang aus Fürstenfeldbruck hat mit „Kneißl, der Räuber mit den gelben Schuhen“ ein geschichtliches Sachbilderbuch für Kinder und Erwachsene geschrieben, das die kurze Lebensgeschichte des Räubers Mathias Kneißl, einer regionalen Legende, gegen Ende des 19. Jahrhunderts erzählt. Im vergangenen Jahr wurde das Buch innerhalb einer Publikationsreihe vom Bauernhofmuseum Jexhof veröffentlicht. Im Interview schildert die Autorin den Entstehungsprozess ihres Buches und berichtet von den dabei entstandenen Herausforderungen. 

Um was für ein Werk handelt es sich?

Es ist ein geschichtliches Bildersachbuch, das die kurze Lebensgeschichte des Räubers Mathias Kneißl erzählt und mit anderen Ereignissen der Zeit verknüpft. Kneißl wurde 1875 in eine arme, kriminelle Familie im Landkreis Dachau hineingeboren und starb mit gerade einmal 26 Jahren unterm Fallbeil. In den Jahren dazwischen verbrachte er fünf Jahre im Zuchthaus als Folge einer Schießerei, die sein Bruder zu verantworten hatte. Seinen Versuch, nach seiner Haftentlassung ein redliches Leben zu führen, war durch das Misstrauen seiner Mitmenschen zum Scheitern verurteilt. Er verlor seine Arbeit und wurde abermals kriminell. Auf seiner Flucht verletzte er zwei Gendarmen tödlich und wurde nach einer fieberhaften Verbrecherjagd schließlich hingerichtet.

Wie warst du daran beteiligt?

Von mir stammen die Idee und die erzählerische Umsetzung: Mich hat Mathias Kneißls Biografie tief berührt und ich wollte seine Geschichte Kindern erzählen. Kinder – wie Erwachsene – lieben Räubergeschichten. Ich wollte ihnen von den Anekdoten erzählen, die sich um sein Leben ranken, aber eben auch seine tragischen Lebensumstände schildern. Mir war es von Anfang an wichtig, sein Leben einzubetten ins damalige Zeitgeschehen. Ursprünglich hatte ich dabei an einen Zeitstrahl gedacht, daraus wurde dann in Rücksprache mit einer Kinderbuch-Buchhändlerin und mit der Grafikerin eine Erzählerin, die in den Illustrationen auftaucht und in comicartigen Sprechblasen beispielsweise erzählt, dass während Kneißls erster Inhaftierung die Rolltreppe erfunden wurde, Kaiserin Sisi ermordet wurde oder mehrere berühmte Fußballvereine gegründet wurden.

Auszug aus dem Buch

Wie bist du zu dem Werk oder auf das Thema gekommen?

Ich hatte am Brucker Forum, der katholischen Erwachsenenbildung hier im Landkreis Fürstenfeldbruck, einen Familientag organisiert, an dem es auch um Mathias Kneißl ging. Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass es kein Kinderbuch über ihn gibt, obwohl so viele Geschichten über ihn im Umlauf sind. Da habe ich mich hingesetzt und angefangen zu schreiben.

Hast du in einem Verlag publiziert oder per Selfpublishing?

Wir haben eine andere Lösung gefunden und das Buch im Rahmen einer Publikationsreihe am Bauernhofmuseum Jexhof veröffentlicht. Am Jexhof gab es vor ein paar Jahren eine Ausstellung über verschiedene Räuber aus der Region, unter ihnen auch der Kneißl. Als ich dem Museumsleiter von dem Buch erzählte, war er interessiert daran, es zu veröffentlichen. Und er war überzeugt davon, dass auch die Ausstellungsgestalterin Ruth Strähhuber Interesse an der Gestaltung haben würde. Ruth hat an der Kunstakademie studiert und ist eine begnadete Zeichnerin. Sie hat das Buch illustriert.
Da am Jexhof bisher insbesondere Ausstellungskataloge in unterschiedlichen Reihen veröffentlicht wurden, schlug ich vor, unter dem Namen Jexhof Junior eine neue Reihe für Kinder zu schaffen.

War es schwierig, einen Verlag zu finden?

Nachdem Dr. Jakob den Titel am Jexhof veröffentlichen wollte, habe ich nicht weiter nach Verlagen geschaut. Herausgeber sind das Bauernhofmuseum Jexhof und der Historische Verein Fürstenfeldbruck. Dadurch haben wir uns aber ein Problem geschaffen, das wir nicht hätten, hätten wir den Titel per Selfpublishing – durchaus über den Jexhof – veröffentlicht: Das Museum und der Historische Verein können die Umsatzsteuer nicht durchreichen, sodass höhere Kosten entstanden sind und die Buchhändler*innen stöhnen. Tja, hinterher ist man immer schlauer …

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Zwischen dem ersten Entwurf und der Veröffentlichung lagen fünf Jahre – wobei das Manuskript ein paar Jahre lang unbeachtet im Computer vor sich hindämmerte. Die erste Fassung für besagte Familienveranstaltung hatte ich nach ein paar Abenden fertig, das Schreiben war wie ein Sog. Ich hatte es dann im Sommer desselben Jahres bei der Schreibakademie der BücherFrauen auf Sylt vorgelesen und war erstaunt und erfreut über die positiven Rückmeldungen und die konstruktiven Tipps, insbesondere der teilnehmenden Kinderbuchautorinnen. Danach hatte mir trotzdem erst einmal der Mut gefehlt, an Verlage heranzutreten. Doch als wir im vergangenen Jahr am Jexhof Räubertage veranstalteten, erzählte ich dem Museumsleiter von meinem Manuskript und dann ging es plötzlich ganz schnell.

Gab es spezielle Herausforderungen?

Ich bin Historikerin und der Kneißl ist mein erstes Kinderbuch. Je mehr ich es schaffte, mich auf die Ebene der Kinder einzulassen, desto herausfordernder fand ich es, Kneißls Biografie und seine Zeit für sie historisch richtig, aber auf das Wesentliche verknappt zu erzählen. Doch zum Glück bin ich ja auch Germanistin und liebe es, die passenden Worte zu finden und an den passenden Formulierungen zu feilen. Und es sollte ja auch sprachlich authentisch klingen, sodass ich ein paar Dialoge in oberbayerischem Dialekt eingebaut habe. Da ich selbst Oberpfälzerin bin, habe ich sie von einem alteingesessenen Oberbayern gegenlesen lassen. Überhaupt gab ich den fertig ausarbeiteten Text dann mehreren Leuten zum Lesen, beispielsweise Dr. Jakob, der ebenfalls Historiker, Germanist, Pädagoge und Kneißl-Spezialist ist, aber auch einer befreundeten Schriftstellerin und einer Kinderbuch-Buchhändlerin. Zudem habe ich das Manuskript mehreren Kindern zwischen acht und elf Jahren vorgelesen – meine neunzehnjährige Tochter saß daneben und hat die Reaktionen der Kinder genau beobachtet.

Was hat besonders Freude gemacht?

Autorin Elisabeth Lang (links im Bild) mit Ruth Strähhuber, die das Layout und die Illustrationen fürs Buch entwickelt hat

Das Erzählen der Geschichte und das damit verbundene Ringen um die passenden Formulierungen. Und das Umsetzen der vielen Ideen, die während des Schreibens, aber auch in den Gesprächen mit den anderen entstanden sind. Zudem war ich gespannt auf jede neue Illustration, die Ruth mir geschickt hat. Es macht total Spaß, mit ihr zu arbeiten! Sowohl bei unseren Sonderausstellungen am Jexhof als auch bei Projekten wie diesem.

Wie fühlt es sich an, das Werk nun in den Händen zu halten?

Es ist ein tolles Gefühl! Ich finde, unser Buch ist wirklich sehr schön geworden, Inhalt und Gestaltung ergänzen sich gegenseitig. Obgleich es sprachlich und von der Aufbereitung des Inhalts her für Kinder ab acht Jahren geeignet sein soll, finde ich doch, dass unser Buch inhaltlich wie gestalterisch auch ein sehr schönes Geschenkbuch für Erwachsene geworden ist.

Das Buchcover „Kneißl, der Räuber mit den gelben Schuhen“, gestaltet und illustriert von Ruth Strähhuber

Gibt es noch etwas, das du uns dazu sagen möchtest?

Das Problem unseres Buches ist, dass mehrere Buchhändler*innen vor Ort unschlüssig sind, ob sie es beim Kinderbuch oder bei den Bavarica präsentieren sollen. Mit einer eindeutigen Zuordnung wäre der Verkauf vermutlich einfacher.
Eine Leserin hat mir erzählt, dass sie es zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter gelesen hat und sie einen ganzen Nachmittag damit zugebracht haben, immer neue Details und Informationen zu entdecken. Das Layout ist so, dass sich immer wieder kurze Textpassagen finden, was das abwechselnde Lesen begünstigt. Besagte Leserin und ihre Tochter haben das sehr genossen.

Auf Anregung einer Buchhändlerin und einer Lehrerin hin überlege ich mir gerade ein pädagogisches Konzept für Grundschulklassen. Auf regionaler Ebene bietet sich unser Kneißl-Buch ja für den Heimat- und Sachkundeunterricht an.


Elisabeth Lang, Ruth Strähhuber: Kneißl, der Räuber mit den gelben Schuhen. Hardcover, herausgegeben vom Bauernhofmuseum Jexhof, Fürstenfeldbruck, 40 Seiten, 2021.
16,80 Euro, ISBN 978-3-932368-29-5

Das Buch beim Jexhof.

Die Buchvorstellung auf der Seite der Autorin

Das Buch ist über den regionalen Buchhandel erhältlich.


Interview: Katja Rosenbohm
Bilder: (c) Elisabeth Lang, privat


Elisabeth Langs Website


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3 Gedanken zu „„Kinder – wie Erwachsene – lieben Räubergeschichten“

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