Porträt von Maria Noll, Koordinatorin des Netzwerks Werbelektorat im VFLL

And … Action: Das Netzwerk Drehbuchlektorat stellt sich vor

Große Gefühle, immense Spannung oder ordentlich Tiefgang in nur 120 Minuten: Auch Drehbücher brauchen den Blick von außen und profitieren von einem gewissenhaften Lektorat. Um sich darüber auszutauschen, gibt es im VFLL das Netzwerk Drehbuchlektorat. Wir haben mit seiner Koordinatorin Maria Noll gesprochen.

Beim Wort „Lektorat“ denken die meisten wohl erst mal nur an Romane oder Sachbücher. Was genau zeichnet ein Drehbuchlektorat aus und welche Fähigkeiten muss man dafür mitbringen?

Vor allem muss man wissen, wie Filmsprache funktioniert. In Drehbüchern wird nicht einfach nur eine Geschichte geschrieben, sondern gleichzeitig auch beschrieben, was die Zuschauer*innen sehen und hören werden. Bei Filmen werden mehr Sinne angesprochen als bei Büchern, dafür wird weniger der Fantasie überlassen.
Es ist auch wichtig, hierbei das „Drehbuchlektorat“ von der „dramaturgischen Beratung“ zu unterscheiden. Ersteres wird oft nur als Manuskriptgutachten in Anspruch genommen. Wir sind uns im Netzwerk jedoch einig, dass der Begriff des Drehbuchlektorats eigentlich einer ausführlichen dramaturgischen Beratung entsprechen sollte – eben so, wie wir es auch bei Büchern machen.

Wie bist du in diesen Bereich gekommen?

Ich habe Design mit den Schwerpunkten Schreiben und Film studiert. Zwei große Aspekte hierbei waren das Drehbuchschreiben und die Filmanalyse – beides hat mich dazu qualifiziert, nun Drehbuchlektorate anbieten zu können.

Und natürlich bin ich langjähriger Film- und Serien-Junkie. (schmunzelt)

Wie entstand die Idee, im VFLL ein Netzwerk zum Lektorat von Drehbüchern zu gründen – und wie viele Mitglieder seid ihr mittlerweile?

Das alles kam irgendwie ganz automatisch ins Rollen. Ich bot im VFLL einen Themenabend über das Drehbuchlektorat an. Der fand so viel Anklang, dass ich sogar zwei Termine machen musste. Dann wurde ich von den Teilnehmenden gefragt, ob ich nicht ein Netzwerk gründen möchte, vor allem nachdem der Themenabend der RG Leipzig über Filmdramaturgie ebenfalls viel Zuspruch fand. Es war also offensichtlich ein recht großes Interesse im Verband vorhanden, und so führte eines zum anderen. Aktuell sind wir 23 Mitglieder im Netzwerk.

Welche Themen stehen bei euren Treffen im Vordergrund? Welche Herausforderungen bietet das Drehbuchlektorat?

Momentan steht das Thema „Adaptionen“ bei uns im Fokus, und seit Kurzem hat sich nun auch ein kleiner Lesezirkel innerhalb des Netzwerks hierfür gebildet. Da lesen wir uns nun gemeinsam in Fachliteratur ein und diskutieren darüber.

Genau das ist eine der größten Herausforderungen im Drehbuchlektorat: die Adaption. Es gibt viele Autor*innen, die gerne Filme aus ihren Büchern machen (lassen) möchten. Ein Adaptionslektorat funktioniert noch mal ganz anders als ein gängiges Drehbuchlektorat.

Was sollte man mitbringen, um Mitglied in eurem Netzwerk werden zu können?

Dabei sein kann grundsätzlich jedes Verbandsmitglied – man sollte Film und Fernsehen nur nicht unbedingt als Medien ablehnen (lacht). Wichtig ist aber auch, keine falschen Erwartungen ans Netzwerk zu haben. Wir sind keine AG, wir „lehren“ auch nicht das Drehbuchlektorat – aber wir unterstützen gerne und tauschen uns aus.

Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherfoto: Maria Noll, fotografiert von Dominik Lang

Maria Noll: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis

Noch mehr Netzwerke im VFLL:

Von der schönen Literatur: das Netzwerk Belletristik
Werbung, Unternehmenskommunikation & Co: das Netzwerk Werbelektorat
Viel mehr als Schulbuch und Arbeitsblätter: das Netzwerk Bildungsmedien

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