Inga Beißwänger, langjährige Pressesprecherin des VFLL mit buntem T-Shirt und dunkler Strickjacke vor grauem Hintergrund

Mit Herz und Haltung: 13 Jahre für den VFLL

Pressesprecherin, Kommunikationsprofi und erstes K-Team-Mitglied: Inga Beißwänger hat mit ihrem Engagement 13 Jahre lang die offizielle Stimme des VFLL geprägt. Kürzlich hat sie als Pressesprecherin aufgehört. Ein Gespräch über Anfänge, Höhepunkte und vegane Küche.

Wer kennt ihren Namen im Verband nicht? Inga Beißwänger war viele Jahre Pressesprecherin des Verbandes und Mitglied im Kommunikationsteam (K-Team). Doch wie lange ist sie schon im Verband, wie war das in den Anfangszeiten, als es noch gar kein K-Team gab, und was macht sie sonst so?

Anlässlich ihres Abschieds aus dem K-Team gebührt Inga Beißwänger ein ganz großes DANKESCHÖN!

Liebe Inga, seit wann bist du im Verband und was hat dich damals bewogen einzutreten?

In meinem letzten Jahr als freie Journalistin bei einer Kölner Tageszeitung wurde ich immer unzufriedener und bin durch einen Artikel in eben jener Zeitung aufs Freie Lektorat gekommen. Ich dachte, dass das etwas für mich sein könnte, da ich auch schon lange Artikel von Kolleg*innen redigiert habe und für mein strenges Redigat berühmt-berüchtigt war (lacht). Bei meinen Internet-Recherchen bin ich auf den VFLL gestoßen und ziemlich schnell eingetreten – aus dem Bauchgefühl heraus, dass das eine gute Idee ist. Das war alles im Jahr 2012. Und das Bauchgefühl hat sich bewahrheitet, denn im VFLL wurde ich herzlich willkommen geheißen. Der wertschätzende Umgang und die gegenseitige Unterstützung waren bestärkend.

Wann und wie hat dein Engagement in Sachen Kommunikation beim VFLL begonnen?

Über die Mailingliste gab es 2013 eine Ausschreibung für die Neubesetzung des Pressereferats. Da ich sowieso dabei war, die Seiten zu wechseln – vom Journalismus zur PR –, passte das gut. Also habe ich meine Bewerbung abgeschickt und bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden, das damals noch total offline in einem Hotel in Kassel-Wilhelmshöhe mit zwei Mitgliedern aus dem damaligen Vorstand stattfand. Mit im Gepäck hatte ich eine Liste voller Ideen. Offenbar war ich überzeugend (lacht).

Du hast die Kommunikationsarbeit für den VFLL dann ein paar Jahre lang alleine gestemmt. Wie lange ging das und was waren deine Aufgaben?

Ganz zu Beginn 2013 hatte ich „nur“ zwei Hauptaufgaben: die Pressearbeit und den Aufbau der Social-Media-Kanäle – zunächst Facebook und Twitter, etwas später habe ich den Verbandsblog reaktiviert. Dann wurden immer weitere Aufgaben an mich herangetragen, etwa die Anzeigenschaltung und Teile der Webredaktion. Auch in Teilen der Veranstaltungsorganisation, also etwa Messe-Auftritten, war ich involviert.

Das klingt nach sehr viel Arbeit für eine Person. Ab wann hattest du Unterstützung durch ein Team?

Das stimmt, die vielen Aufgaben waren für eine Person im Ehrenamt irgendwann nicht mehr zu leisten. Deshalb wurde im Herbst 2016 ein fünfköpfiges Kommunikationsteam, das K-Team, gegründet und wir haben uns die To-dos dann aufgeteilt.

Gruppenfoto des K-Teams 2019, sechs Menschen mit breitem Lächeln vor einem Wald

Nach drei Jahren als Einzelkämpferin bekam Inga Beißwänger 2016 Unterstützung in der Verbandskommunikation: Das K-Team war geboren. Hier sieht man das Team, wie es 2019 war, von links oben: Sibylle Schütz, Rebekka Münchmeyer, von links unten: Katja Rosenbohm, Sabine Schmidt, Felix Wolf, Inga Beißwänger. (Foto: privat)

Welche Aufgaben kamen dann dazu und welche bearbeitet das heutige K-Team?

Heute reichen die Aufgaben von Blog und Social Media wie Facebook, Instagram und LinkedIn über Anzeigen, Content Marketing und Website-Redaktion bis Pressearbeit. Auf Wunsch des damaligen Vorstands habe ich auch den Mitglieder-Rundbrief reaktiviert und seine Redaktion übernommen – und das sehr gerne. Dazu kamen über die Jahre Workshops zum Branding des Verbands und Aktionen zu den Jubiläen, genauso die Mitarbeit bei der Veranstaltungsorganisation – ein Bereich, den inzwischen Marion Voigt übernommen hat.

Alles erfolgt in enger Abstimmung mit dem Vorstand und anderen Aktiven. Das heißt auch, dass die Mailflut über die Jahre stark zugenommen hat und die Beantwortung der Nachrichten zu einer ganz eigenen Aufgabe geworden ist. To-dos und Zuständigkeiten stellt das K-Team übrigens gern im Detail auf einer Tour durch die Regionalgruppen vor – meldet euch einfach!

An welche Highlights erinnerst du dich gern zurück?

Toll waren die Rückmeldungen der Mitglieder! Egal ob Idee, Lob oder konstruktive Kritik – ich habe mich immer über Beteiligung gefreut. Außerdem gab es über die Jahre einige Themen, die ich besonders gern begleitet habe: allen voran das Gendern in der Verbandskommunikation. Eine breite verbandsinterne Diskussion mündete auf der Mitgliederversammlung (MV) 2018 in mehrere Beschlüsse, die Gendern-Leitlinien für die Verbandskommunikation beinhalteten. Die MV erteilte zudem den Auftrag, eine Handreichung zum wertschätzenden Sprachgebrauch als Service für alle VFLL-Mitglieder zu erstellen. Die haben wir in einer Gruppe bei einem Treffen im schnuckeligen Städtchen Herborn 2019 erarbeitet. Zudem sollte in der neu entstandenen AG Sprachwandel ein Text für den öffentlichen Teil der Website entstehen. Der AG Sprachwandel habe ich dann auch angehört, solange es meine Zeit erlaubte.

Oben links ein Foto eines Whiteboards, an dem Notizen auf unterschiedlich farbigen Zetteln hängen: rote und orange eckige Zettel, dazwischen ovale grüne und gelbe Ergänzungen. Rechts unten sieht man ein mittelalterliches Schloss mit zwei massiven Türmen auf einer Anhöhe.Welche Möglichkeiten des wertschätzenden Sprachgebrauchs gibt es? In einem Schloss (rechts) in Herborn erarbeitete eine Gruppe Ehrenamtlicher dazu eine Auflistung (links). (Fotos: Inga Beißwänger)

Ein weiteres Thema, das den Verband sogar schon vor meiner Zeit beschäftigt hat, ist das Kartellrecht: In welcher Form können wir über Honorare informieren, ohne gegen das Kartellrecht wegen unerlaubter Preisabsprachen zu verstoßen? Das betraf natürlich auch das K-Team, beispielsweise bei der Unterseite auf der Website. Wir waren immer unsicher: Sind die Formulierungen rechtlich so okay – oder könnten wir in Haftung genommen werden? In den Jahren 2023/2024 hat der damalige Vorstand das Thema in die Hand genommen und zusammen mit anderen Mitgliedern und einer spezialisierten Kanzlei eine Handreichung erarbeitet. Da ich so froh war, dass wir nun endlich mehr Sicherheit bekommen würden und ich das Thema auch an sich spannend finde, war ich in dieser Gruppe dabei. Unter anderem wurden bei einem Workshop mit der Kanzlei wesentliche Punkte besprochen.

Sedcard von Nina George mit dem Statement: "Hinter einem Buch steht nicht nur die Autorin – sondern ein Team von Wortmenschen, die daran mitarbeiten, aus einem Manuskript eine Veröffentlichung zu machen. Lektorinnen und Lektoren sind die wichtigsten Begleiter:innen in der Polier- und Überarbeitungsphase. Sie gehören selbstverständlich ins Impressum – wie übrigens auch Coverdesigner, Herstellende oder das Korrektorat." Darunter eine Sedcard von Sebastian Fitzek mit seinem Foto und dem Statement: "Ein gutes Lektorat ist für die Geburt eines Buches so unersetztlich wie eine Hebamme für die Geburt eines Babys. Ohne meine erfahrenen Lektorinnen wäre mir mein Erfolg niemals vergönnt gewesen. Ihre Namen gehören mindestens ins Impressum, wo sie gar nicht groß genug abgedruckt werden können."Eine Lieblingskampagne von Inga Beißwänger: „Lektorat ins Impressum“ – mit prominenten Teilnehmer*innen.

Die Kampagne „Lektorat ins Impressum“ war eine Idee von Mitgliedern. Dabei forderten wir 2022, unterstützt durch Autor*innen wie Nina George, Sebastian Fitzek und Iny Lorenz, dass die Namen von freien Lektor*innen standardmäßig ins Impressum aufgenommen werden sollten. Die engagierte Gruppe hat eine Handreichung für Mitglieder erarbeitet. Zudem gab es auf der Frankfurter Buchmesse eine Veranstaltung mit unserem Partnerverband VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke). Das spannende Thema und Engagement habe ich sehr gerne im K-Team und als Messebesucherin unterstützt.

Ach so, die vielen persönlichen Begegnungen auf beispielsweise Buchmessen, unserer Fachtagung Freies Lektorat und unserer Arbeitstagung waren natürlich weitere Highlights!

Gab es auch schwierige Phasen innerhalb des K-Teams oder etwas, das du dir anders gewünscht hättest?

Ja, auch in der Zusammenarbeit mit dem Vorstand und anderen Aktiven. Heute frage ich mich manchmal selbstkritisch, warum ich nicht früher und öfter meinen Mund aufgemacht habe. Doch über den langen Zeitraum gesehen dominieren die schönen Zeiten bei Weitem. Und mit dem Team, das zuletzt einige Jahre zusammen war, hat es besonders gut harmoniert, weshalb mir der Abschied nicht leichtgefallen ist und mir diese gute Teamarbeit heute durchaus fehlt.

Rein auf die Arbeit bezogen hätte ich mir mehr Zeit für kreatives Brainstorming gewünscht. Das ist beim „Tagesgeschäft“ mit den ganzen koordinativ-administrativen Aufgaben oft zu kurz gekommen.

Was hat dir bei der Arbeit im K-Team am meisten gefallen?

Genau das: die Arbeit im Team, die wir Soloselbstständigen ja sonst eher selten haben. Zudem bin ich eine unverbesserliche Idealistin und daher war es stets mein Anspruch, den VFLL weiter voranzubringen und ihn als starke, verlässliche Gemeinschaft nach innen wie außen immer sichtbarer zu machen. Dass wir das im Team geschafft haben, zeigt beispielsweise die über die Jahre gewachsene Mitgliederzahl. Die Verbandskommunikation in die Hände eines Teams aus Kommunikationsprofis zu legen, trägt viel zur Professionalität, Vereinfachung und Einheitlichkeit bei.

Foto von Sibylle Schütz und Inga Beißwänger mit VFLL-Umhängern und der Ausgabe des Magazine "Börsenblatt" in der Hand. Beide lächeln in die KameraFür den VFLL unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse: Inga Beißwänger (rechts) und Sibylle Schütz. (Foto: privat)

Nun noch ein paar Fragen zu dir und deiner Selbstständigkeit: Als freie Lektorin und Texterin bist du breit aufgestellt. Welche Gebiete beackerst du denn?

Tatsächlich arbeite ich gerade daran, mein Profil zu schärfen und mehr auf zwei Zielgruppen zuzuschneiden: Agenturen, Unternehmen und Verbände auf der einen und Autor*innen auf der anderen Seite. Für Erstere biete ich Texte und Lektorat zu unterschiedlichen Themen an, mit Fokus aufs Corporate Publishing. Autor*innen begleite ich auf dem Weg zum Buch – von der Einschätzung des Manuskripts bzw. der Idee über Lektorat und Schreibcoaching bis zu Beratung und Koordination rund um die Veröffentlichung. Wenn sie nicht selbst schreiben, übernehme ich das als Ghostwriterin. Bei Autor*innen habe ich mich spezialisiert auf den Themenbereich Persönlichkeitsentwicklung/Spiritualität und Sachbücher/Ratgeber.

Autorin bist du ebenfalls. Über welche Gebiete hast du geschrieben?

Ich habe ein Kochbuch herausgebracht: „Vegan für den Alltag – 20-Minuten-Gerichte für Topf und Thermomix®“. Das muss allerdings wegen des neuen Thermomix-Modells aktualisiert werden. Bis dahin gibt es meinen Blog, auf dem ich Rezepte veröffentliche. In Erwägung ist außerdem, Texte, die ich einst für das Online-Magazin von Weltbild rund um das Themengebiet Persönlichkeitsentwicklung/Spiritualität geschrieben habe, in der Zweitverwertung als Buch herauszubringen.

Du spendest einen Teil deiner Einnahmen Vereinen, die du persönlich kennst und damit unterstützt. Ich finde das beachtlich, da wir als Lektor*innen selbst oft nicht angemessen verdienen. Wie kam es dazu und welche Art von Vereinen ist das?

Das sind überwiegend Tierschutzvereine. Mit den meisten hatte ich schon in meiner Zeit als Journalistin zu tun. Dort habe ich für die Tiervermittlungsrubrik Hunde, Katzen und Meerschweinchen in Text und Bild vorgestellt. Abgesehen davon, dass ich durchs Spenden Steuern spare und weiß, wohin mein Geld stattdessen geht, mache ich das natürlich auch aus Idealismus. Ich gebe, so viel ich kann. Wenn das jede*r tun würde, sähe die Welt sicherlich ganz anders aus.

Was machst du gerne als Ausgleich zur Schreibtischarbeit?

Singen, singen und noch mal singen: übers Internet bei Einsingen um 9, im Chor und im Gesangsunterricht. Außerdem Tai-Chi und seit Kurzem Online-Feldenkrais. Meine Katze zu streicheln, wirkt ähnlich entspannend (lacht). Meine beiden Meerschweinchen machen das Klickertraining mit und lassen sich gut beobachten bei allem, was ein Meeri so den lieben langen Tag tut.

Gibt es noch etwas, das du uns mitteilen möchtest?

Wenn ich die VFLL-Zeit Revue passieren lasse, fallen mir als Erstes die vielen positiven Begegnungen mit Verbandskolleg*innen ein, die ich über die Jahre machen durfte. Gerne würde ich mich in meiner Rolle als K-Team-Mitglied einzeln von jeder Person verabschieden und mich für die unzähligen Gespräche, Tipps und Ideen sowie für die gute Zusammenarbeit bedanken. Das ist bei der Fülle der Menschen aber schlicht nicht möglich. Deshalb an dieser Stelle: Herzlichen Dank euch allen!

Redaktion: Sibylle Schütz
Korrektorat: Mariette Franz
Aufmacherbild: Mike Schmidt/
photowerkstatt.de

Inga Beißwänger: Website, Kochblog Vegan für den Alltag und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis


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