Ein eigenes Buch – das ist für viele ein Traum. Aber wie bleibt man dran beim Schreiben? Wie schafft man Routinen und was tut man, wenn man mittendrin stecken bleibt? Meike Blatzheim ist nicht nur Lektorin, sondern bietet auch Autorencoaching, Schreibkurse und Schreibreisen an. Im Interview teilt sie ihre Schreibtipps.
Meike, du nennst dich auf deiner Website „Textgefährtin“. Was genau verstehst du darunter und wen begleitest du auf welchem Weg?
Als Textgefährtin begleite ich Schreibende über längere Strecken, von der ersten Idee über Schwierigkeiten während des Schreibens bis zur Überarbeitung. Dabei verstehe ich mich als Sparringspartnerin. Ich gebe nicht vor, wie ein Text werden muss, sondern stelle die Fragen, die den Schreibenden helfen, die passende Lösung für ihr individuelles Projekt zu finden. Diese Arbeitsweise kommt aus dem Verlagslektorat. Schon während meiner zehn Jahre als angestellte Lektorin habe ich Buchprojekte oft von der ersten Idee an begleitet – das hat mir immer besonders viel Spaß gemacht.
Was ist dein liebster Schreibtipp? Was sollten mehr Menschen bedenken, wenn sie schreiben?
In meinem Angebot geht es vor allem um das Schreiben längerer Texte, meist belletristische Werke oder Kinder- und Jugendliteratur. Viele Schreibende denken anfangs, dass sie nun von A bis Z ihre Geschichte niederschreiben. Das funktioniert meiner Erfahrung nach fast nie. Man muss sich darauf einstellen, viel „rechts und links“ des eigentlichen Textes zu schreiben, zum Beispiel kleine Fingerübungen zur Figurenentwicklung. Idealerweise plant man das von Anfang an ein und ärgert sich nicht über den vermeintlich ineffizienten Schreibprozess – diese Entwicklungsarbeit ist einfach nötig.
Die Eifel bietet ein herrliches Setting für eine Schreibauszeit – und die ideale Mischung aus Entspannung, Inspiration und Motivation. (Foto: privat)
Eines deiner zentralen Themen ist „Zeit zum Schreiben finden“. Mit welchen Kniffen schaufelt man sich als Hobby-Autor*in genug Zeit frei, um Platz zum Schreiben zu schaffen?
Das ist für viele ein großes Thema. Viele meiner Kund*innen sind außerdem Frauen, die neben dem Job jede Menge Carearbeit jonglieren. Und es ist auch individuell, welche Arbeitsweise gut funktioniert, das muss man ausprobieren. Für viele ist aber Regelmäßigkeit ein Game-Changer – so langweilig das vielleicht klingt. Wenn ich aber jeden Tag oder zumindest mehrmals die Woche eine halbe Stunde an meinem Text arbeite, verliere ich nicht so sehr den Überblick über meine Figuren oder die Handlung. Es gibt auch Leute, für die das gar nicht klappt. Dann kann es helfen, in Sprints zu arbeiten: Vielleicht kann man sich jeden Monat einen Schreibtag freischaufeln oder alle paar Monate eine Schreibwoche.
Du bietest mittlerweile auch Schreibreisen an. Wie sehen solche Schreibauszeiten aus?
Genau, zweimal im Jahr fahre ich mit einer kleinen Gruppe in ein Literaturhotel in der Eifel. Dort schaffen wir – die Hotelinhaberin und ich – die perfekten Bedingungen für die Schreibwoche. Es ist für alles gesorgt: gemütliche Zimmer und Schreiborte, leckeres vegetarisches Essen, nachmittägliche Spaziergänge und ein abwechslungsreiches Abendprogramm. Jeder Schreibtag startet mit einer morgendlichen Schreibanregung und endet mit einer Theorieeinheit vor dem Abendessen. Dazwischen gibt es viel freie Schreibzeit. Ein individuelles Coaching gehört ebenfalls mit zum Programm, sodass konkrete Fragen zum eigenen Buchprojekt direkt geklärt werden können.
Im Hotel „Hinter den Spiegeln“, in dem die Schreibreise stattfindet, steht Literatur im Mittelpunkt. So z. B. mit einem Zitat im Eingangsbereich (links) oder durch Bücherdeko an den Wänden (rechts). Auch im Aufenthaltsraum, in dem wir schreiben, und in den Zimmern stehen überall Bücher – wer zwischendurch lieber lesen statt schreiben möchte, kann das also jederzeit tun. (Foto: privat)
Und wenn ich keine Zeit habe, gleich eine ganze Woche wegzufahren und das Schreiben lieber in meinen Alltag integrieren möchte?
Dafür gibt es den Schreib-November. Vom 1. bis 30. November treffen wir uns mehrmals in der Woche online zum gemeinsamen Schreiben, sodass sich Stück für Stück eine Schreibroutine einstellt. Hinzu kommen tägliche Audioimpulse in einer Signalgruppe, die auch dem Austausch dient, ein Schreibjournal sowie ein Auftakt- und ein Abschlussworkshop. Die festen Verabredungen und die Gruppe helfen dabei, auch an vollgepackten Tagen den Kontakt zum eigenen Buchprojekt nicht zu verlieren – im besten Fall über den November hinaus!
Wie und wann hast du selbst angefangen zu schreiben?
Als Kind und als Jugendliche habe ich sehr viel geschrieben, an Wettbewerben teilgenommen und später während meines Studiums des Kreativen Schreibens an der Universität Hildesheim kürzere Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Allerdings habe ich schnell gemerkt: Noch viel mehr als für das eigene Schreiben begeistere ich mich dafür, gemeinsam mit Schreibenden herauszufinden, wie sie ihre Geschichte am besten erzählen können. Deshalb schreibe ich aktuell nicht mehr literarisch, sondern Blog-Artikel und Story-Newsletter übers literarische Schreiben. Aber wer weiß, was noch kommt …
Für wen sind deine Angebote gedacht? Und muss man dafür schon weit mit seinem Buchprojekt sein?
Nein, das muss man nicht. Zu mir kommen sowohl Menschen mit einer ersten Idee als auch Schreibende, die schon seit Jahren an ihrem Manuskript arbeiten. Ein konkretes umfangreicheres Schreibprojekt sollte man allerdings haben – und meist ist es hilfreich, die erste Schreiberfahrung mit kürzeren Projekten zu sammeln, zum Beispiel beim Schreiben von Kurzgeschichten. Die Schreibauszeit eignet sich besonders für Menschen, die für einige Tage bewusst aus ihrem Alltag aussteigen und intensiv an ihrem Projekt arbeiten möchten. Der Schreib-November richtet sich eher an diejenigen, die das Schreiben in ihren Alltag integrieren, eine regelmäßige Routine entwickeln und dabei nicht allein bleiben möchten. Kern beider Angebote ist es, kontinuierlich am eigenen Text weiterzuarbeiten und den eigenen Schreibprozess besser kennenzulernen.

Meike Blatzheim: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
(Foto: Bernadette Yehdou)
Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild Hängematte: privat
Schreibende VFLL-Mitglieder im Blog:
Nicci Schmieders literarisches Brandenburg
Nominiert für den Buchpreis „Pflichtlektüre Niedersachsen 2026“: Bärbel Mäkeler: Bodo Kampmann – ein Künstlerleben in Braunschweig
Auf geht’s zum Roadtrip durch Australien mit Nina Waldkirch
… oder in die Biografie der frühen Bestsellerautorin Hedwig Courths-Mahler mit „Ein gutes Ende“ von Clara Bachmann