Inspirierende Gesprächskultur in lässiger Atmosphäre

Im November fand in der ARENA Berlin die 7. BuchBerlin statt, ihres Zeichens drittgrößte Buchmesse Deutschlands. Vertreten waren überwiegend Selfpublisher*innen und Kleinverlage aus den Bereichen Fantasy, Krimi/Thriller, Kinder- und Jugendliteratur, Regionalia und queere Literatur. Doch auch Literaturagenturen und Vereine stellten vor Ort aus. Allen Interessierten standen Ansprechpartnerinnen des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) für Fragen zur Verfügung. Nadjenka Borch hat einen persönlichen Rückblick auf die BuchBerlin verfasst.

Von Nadjenka Borch

Vielfältige Fragen am VFLL-Stand

Der VFLL-Stand auf der BuchBerlin, Foto: (c) Lara Telschow

Als erste Schichtbetreuung am VFLL-Stand fühlte ich mich am Samstagmorgen zunächst noch ein wenig unsicher, schließlich war es das erste Mal, dass ich – noch als neues Mitglied – den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren vertrat. Tatsächlich konnte ich jedoch vielen angehenden Lektor*innen weiterhelfen, die sich für die Vorteile des VFLL interessierten. Ich beantwortete zum Beispiel einer jungen Besucherin Fragen zu den Aufnahmekriterien, die sich später mit den Worten verabschiedete: „Dann werde ich das nächste Woche endlich angehen.“

Ein Masterstudent fragte mich, wie er einen passenden Lektor für seine Abschlussarbeit finden könne. Ich verwies ihn und andere Interessierte auf das VFLL-Lektoratsverzeichnis und alternativ erzählte ich von der Möglichkeit, direkt Auftragsanfragen über ein Formular zu stellen, die über eine Mailingliste an Mitglieder des VFLL weitergeleitet werden.

Ein Beispiellektorat am VFLL-Stand, Foto: (c) Nadjenka Borch

Ein Pärchen beugte sich minutenlang neugierig über unser ausgestelltes Plakat und studierte den Originaltext und die beispielhafte Überarbeitung. „Da braucht man ja aber schon viel Sachkenntnis, um so etwas zu überarbeiten“, brachte der Mann seine Wertschätzung für unseren Berufsstand zum Ausdruck. Toll! Und ein anderer junger Mann fragte: „Ihr arbeitet aber nur für Selfpublisher, oder?“ Diese Fehlannahme räumten wir erfolgreich aus. Am Nachmittag informierte Kollegin Lara Telschow vor allem über die Netzwerk- und Fortbildungsmöglichkeiten des Verbands.

Zeit für Typografie

Am VFLL-Stand, Foto: (c) Nadjenka Borch

Die Momente, in denen gerade niemand an unserem Stand vorbeikam, nutzte ich gewinnbringend und schmökerte nach Herzenslust im standeigenen Ansichtsexemplar von Ralf Turtschis „Zeichen setzen!“. Gisela Lehmeier (Regionalgruppensprecherin Berlin) verstand meine Begeisterung. „Ich habe ihn zwar nicht unter dem Kopfkissen, aber fast.“ Konkrete inhaltliche Beratung zum Thema Regelwerke und Typografie suchte auch ein Kleinverleger am VFLL-Stand.

Vorherrschend: Lust am Austausch von Angesicht zu Angesicht

Alle Gespräche, ob an unserem Stand oder bei meinem anschließenden Rundgang durch die Halle, waren durchweg positiv, freundlich und informativ. Ich selbst habe gespürt, wie sehr mir der direkte Austausch mit anderen Sprachverliebten und Bücher-Enthusiast*innen in den vergangenen Monaten gefehlt hat. Das bestätigten mir auch die Kolleginnen: „Ich hatte den Eindruck, dass viele Leute die analogen Kontakte einfach genossen haben und ein echtes Gespräch von Angesicht zu Angesicht mehr wertschätzen als früher“, resümiert Lektorin Elisabeth Dorner, die den Stand am Sonntag betreute.

Die übersichtliche Halle tat ihr Übriges zur Gesprächskultur, die Gänge waren breit genug angelegt, um die vielfältig dekorierten Stände zu bewundern und in Kontakt mit den Aussteller*innen zu kommen. Viele Autor*innen waren vor Ort und beantworteten bereitwillig Fragen zu ihren Werken. Besonders auffällig waren die zahlreichen Stände mit vielfältiger Fantasy-Literatur, oft flankiert von entsprechend verkleideten Autor*innen oder Messe-Betreuer*innen in Capes, Mittelalterkluft oder mit Krönchen auf dem Kopf.

„Horizonterweiternde Begegnungen“ und erhellende Gespräche

Der rote Faden, Foto: (c) Lara Telschow

Egal ob Selfpublisher*innen, Kleinverlage oder Literaturagenturen – überall auf der BuchBerlin gab es Überschneidung zum oder Interesse am Thema Lektorat.

Unsere direkten Standnachbar*innen vom Selfpublisher-Verband und des Literaturhauses Lettrétage gaben Einblick in Vernetzungs- und Fortbildungsmöglichkeiten für Lektorinnen und Lektoren sowie Autor*innen. Auch das Gespräch mit der Geschäftsführerin einer Medienagentur speziell für Selfpublisher*innen brachte viel Input für mögliche Arbeitsbereiche.

Zu guter Letzt traf ich auf die Vertretung des Börsenvereins Berlin-Brandenburg. Sie erzählte etwas wehmütig, sie sei hauptsächlich in aufklärender Funktion vor Ort und erläutere überwiegend Selfpublisher*innen die Grundregeln der Buchpreisbindung, die natürlich auch auf Messen gelte.

Meine Kollegin Sibylle Strobel wiederum hatte eine „horizonterweiternde Begegnung“ mit einem Mitarbeiter eines Horrorliteratur-Verlages, der beklagte, dass Fachlektor*innen für die verlagsspezifischen Genres schwer zu finden seien.

Nadjenka Borch, VFLL-Mitglied und Autorin des Beitrags, Foto: (c) Nadjenka Borch

Der inspirierende Austausch mit den Kolleginnen, Aussteller*innen und Autor*innen hat mich jedenfalls sehr beflügelt und mir auch gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit für Textschaffende ist. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste BuchBerlin, die – hoffentlich – 2022 wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden wird.

Text: Nadjenka Borch
Fotos: (c) Nadjenka Borch und Lara Telschow

Mehr Informationen zur BuchBerlin

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Nadjenka Borchs Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis


Weitere Beiträge im VFLL-Blog zu regionalen Buchmessen:

Messe als Familientreffen: VFLL auf der BuchBerlin ganz nah dran (BuchBerlin 2019)
Klein, aber fein – die Regionalbuchmesse Oberpfalz (Regionalbuchmesse Oberpfalz 2019)
„Wir finden jeden Wurm im Apfel“ (BuchBerlin 2018)
BuchBerlin: Groß und familiär (BuchBerlin 2017)
Kultveranstaltung: Die Mainzer Minipressen-Messe (Internationale Buchmesse der Kleinverlage und künstlerischen Handpressen 2017)
1. RegensBUCH: Büchermenschen unter sich (RegensBuch 2016)
Wie organisiere ich eine Buchmesse? (Mainzer Buchmesse 2016)

2 Gedanken zu „Inspirierende Gesprächskultur in lässiger Atmosphäre

  1. Sabine Schmidt

    Sehr schöner Beitrag, liebe Nadjenka,

    der die Vielfalt unseres Berufs deutlich macht. Und Vorfreude weckt auf Veranstaltungensbeteiligungen in der Zukunft – hoffentlich in naher Zukunft!
    Danke für das Engagement und herzliche kollegiale Grüße
    Sabine

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