Von Archäologie über Ethnografie bis Kunstgeschichte versammeln sich die Fachrichtungen im Netzwerk Kunst | Kultur | Geschichte. Die Themen sind ebenso breit gefächert: Diskutiert wird alles von Akquise bis Öffentlichkeitsarbeit. Von dem spannenden Austausch berichten hier die drei Koordinatorinnen des Netzwerks: Mariette Franz, Petra Renkel und Regina Wenninger.
Kunst, Kultur, Geschichte, das ist sehr breit gefasst. Um was geht es genau in eurem Netzwerk und an wen richtet es sich?
Regina: Viele von uns haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und beruflich mit Themen aus diesem Umfeld zu tun. Die verschiedenen Bereiche sind oft schwer voneinander abzugrenzen, doch „Kunst, Kultur, Geschichte“ schien uns den Kern ganz gut abzubilden. Es ist der gemeinsame Nenner, unter dem sich alle mit ganz unterschiedlichen fachlichen Perspektiven aus den Kultur- und Geisteswissenschaften wiederfinden können.
Mariette: Wobei wir alle ansprechen wollen, die beruflich in dem Bereich unterwegs sind – nicht nur im wissenschaftlichen Bereich, sondern auch in der Kultur.
Das Netzwerk richtet sich also auch an alle, die Ausstellungskataloge machen oder populäre Sachbücher, also ganz breit gefasst?
Regina: Ja, genau. Sach- und Fachtexte aller Art.
Petra: Es war von Beginn an sehr weit gefasst, weil Kultur sich ja auch nicht einfrieden lässt. Kultur deckt wahnsinnig viele Bereiche ab – Bild, Ton, Sprache, sowohl verbal als auch nonverbal. Sie umfasst darstellende Kunst oder Tanz genauso wie die ganze Bandbreite von Alltagskultur, Stichwort Ethnografie, die früher in der Schule Heimat- und Sachkunde hieß. Sowohl die Inhalte als auch die Zielgruppen sind daher sehr weit gefasst. Da wird das ganz klassische Bildungspublikum über verschiedene Publikationen bedient, aber wir haben auch Institutionen und Einrichtungen im Blick, die für andere Zielgruppen Kultur auf die Beine stellen. All diese Menschen nehmen Textdienstleistungen in Anspruch, das kann die Pressemitteilung sein, der Flyer, ein Blogbeitrag. Wir denken da wirklich an die ganze Bandbreite – und deshalb schien uns die Überschrift „Kunst, Kultur, Geschichte“ sinnvoll zu sein, auch wenn sie natürlich sehr, sehr weit gefasst ist.
Wie kam es dazu, dass ihr ein Netzwerk gegründet habt?
Petra: Wir kommen nicht ohne Zufall alle drei aus der Regionalgruppe Bayern. Als eine der größten Gruppen im Verband ist sie schon immer sehr lebendig und bei vielen der regulären RG-Treffen haben sich immer wieder Kolleg*innen auch zu diesen Themen gefunden und ausgetauscht. Irgendwann entstand die Idee, den Austausch gezielter zu organisieren, nicht im Rahmen der normalen RG-Online-Treffen. Bei der VFLL-Fachtagung in Berlin 2024 haben wir dann beschlossen: Jetzt setzen wir das um. Nach dem ersten Präsenztreffen in München wollten wir das Netzwerk recht schnell auch bundesweit öffnen. Deshalb haben wir erst einen Aufruf über den Verbandsrundbrief gestartet und dann noch mal per E-Mail.
Mariette: Als ich in den Verband eingetreten bin, war ich erst ein paar Jahre in der RG Berlin und wusste, dass es Netzwerke gibt. Da habe ich immer gedacht: „Es kann doch gar nicht sein, dass es kein Netzwerk gibt für den Bereich, in dem ich arbeite. Ich weiß doch, dass viele andere auch im Bereich Kultur, für Museen und Kulturinstitutionen tätig sind!“ Als ich später in die RG Bayern kam, hat Petra mir erzählt, dass sie diese Überlegungen auch schon hatte. Und als wir beide zufällig auf der Tagung mit Regina an einem Tisch saßen, hat sich das einfach ergeben. Irgendwie kamen da die Synergien zusammen.
Regina: Ja, das ist das Wunderbare an Tagungen, die in Präsenz stattfinden. Da entstehen solche Dinge spontan am Rande, in den Kaffeepausen, auf dem Flur …
Mariette: Und dann ging es relativ schnell. In Bayern haben sich direkt 20 Mitglieder gemeldet, bundesweit kamen dann noch mal ungefähr 20 dazu.
Gibt es bestimmte Herausforderungen in der Arbeit, die ihr alle teilt, oder bestimmte Themen, die bei Treffen immer wieder hochkommen?
Petra: Ein Thema ist natürlich, dass der Kulturbereich generell von Sparmaßnahmen betroffen ist und wir dennoch schauen müssen, dass wir ein vernünftiges Einkommen haben. Bei einem unserer nächsten Treffen wollen wir daher das Thema Akquise aufgreifen: Wie kann man in diesen Sparzeiten sinnvoll akquirieren? Denn diese Sparmaßnahmen schlagen bis zu den Verlagen durch; Publikationen zu Ausstellungen müssen ebenfalls finanziert werden. Auch wenn die Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr so gut finanziert wird, merken wir das in der Auftragslage. Solche Themen beschäftigen uns im Kulturbereich gerade sehr.
Wie setzt ihr denn die Themen für eure Treffen?
Mariette: Wir hatten zu Beginn mehrere Findungstreffen, bei denen wir Themen gesammelt haben – und die arbeiten wir jetzt ab. In ein paar Treffen sollten wir mit diesen Anfangsthemen durch sein und können danach schauen, welche konkreten Fragestellungen wir noch besprechen wollen.
Petra: Zusätzlich nehmen wir auch aktuelle Themen auf, wenn welche anfallen. Und wir haben zu Beginn innerhalb des Netzwerks verschiedene AGs gegründet, die an eigenen Themen arbeiten. Die widmen sich beispielsweise der Frage, wie wir analog mehr Präsenz zeigen können, ob wir Flyer erstellen sollten etc. Auch innerhalb dieser AGs wurden Themen gesammelt, die wir, wie Mariette sagt, nach und nach abarbeiten. Außerdem wollen wir regelmäßig eine Textküche machen, in der wir uns gemeinsam ganz konkret Texte angucken. Natürlich kam auch der Wunsch auf, dass wir uns im Netzwerk mit dem Thema KI beschäftigen. Wir horchen einfach regelmäßig ins Netzwerk rein, fragen bei den Treffen rum und schauen, wo gerade besonderer Redebedarf ist.
Gibt es bestimmte Ziele, die ihr als Netzwerk verfolgt?
Regina: Eigentlich gibt es zwei Richtungen: nach innen und nach außen. Einerseits geht es uns natürlich um den Austausch und die Vernetzung innerhalb des Netzwerks. Andererseits wollen wir unsere Arbeit aber auch gegenüber potenziellen Auftraggeber*innen sichtbarer machen und verdeutlichen: Wir sind Profis auf unserem Gebiet und bieten Qualitätssicherung. Dazu wollen wir nach außen gehen, zum Beispiel auf entsprechende Kongresse oder Messen. Als Netzwerk kann man sich anders präsentieren, als man das als Einzelperson kann. Und ein Netzwerk kann auch eine Art Qualitätsausweis sein – zusätzlich zum Verband.
Wie oft trefft ihr euch und wie arbeitet ihr im Netzwerk zusammen?
Petra: Wir treffen uns alle acht Wochen an wechselnden Wochentagen und zu wechselnden Uhrzeiten. Damit wollen wir möglichst allen mal ein Treffen ermöglichen und herausfinden, welche Uhrzeiten und Tage besonders gut funktionieren. Gleichzeitig nutzen wir fleißig die verschiedenen Plattformen des Verbands, um uns auch unabhängig von den Online-Treffen auszutauschen. Das sind vor allem die Mailingliste und die Plattform Nextcloud, wo wir Dokumente füreinander hinterlegen können. Besonders praktisch ist das für Empfehlungen oder den Austausch. Kriegt man zum Beispiel eine Anfrage zu einem Projekt, bei dem auch eine Übersetzerin benötigt wird, dann kann man dort nachschauen, wen man vielleicht mit ins Boot holen könnte. Außerdem legen wir dort Protokolle von unseren Treffen ab für die, die nicht dabei sein konnten. Im Herbst wollen wir uns vielleicht auch analog auf einer kleinen Messe im Haus der Kunst in München treffen.
Was sollte man mitbringen, um bei euch Mitglied zu werden?
Mariette: Grundsätzlich können alle zu uns kommen, die im Bereich Kultur arbeiten. Da sind manche mehr in Richtung Wissenschaft unterwegs und andere richten sich an ein breiteres Publikum, aber dieser berufliche Schwerpunkt ist unser gemeinsamer Nenner.
Petra: Man muss im Lektorat in diesem Bereich noch nicht voll aufgestellt sein, natürlich sind auch Quereinsteiger*innen bei uns willkommen – aber erkennbare Berührungspunkte zur Kulturarbeit wären hilfreich. Wir sind in Sachen Mitglieder tatsächlich so interdisziplinär aufgestellt wie ursprünglich angedacht. Das ist sehr spannend. Wir freuen uns, wenn neue Mitglieder Neues mitbringen und gleichzeitig Neugier auf die vielen anderen Kulturbereiche, in denen sie selbst nicht unterwegs sind. Daraus ergeben sich mitunter überraschende Querverbindungen, die Raum für Neues eröffnen. Neugier sollte man also mitbringen, die Lust, sich einzubringen, und die Bereitschaft, sich für unsere Treffen Zeit vom Alltag abzuknapsen.
Regina: Wenn die Leute dann noch Lust hätten, selbst mal eine kleine Online-Sitzung zu moderieren oder sich ein Thema auszudenken und vorzubereiten, dann wäre das natürlich ideal! Wir drei verstehen uns als Koordinatorinnen und Sprecherinnen im Sinne des Organisierens im Hintergrund. Aber lebendig wird das Netzwerk nur durch die Aktivitäten aller Mitglieder.
Wenn ihr dem Netzwerk beitreten wollt, findet ihr die Kontaktdaten der Ansprechpersonen hier im internen Bereich (vorheriger Login nötig). Mehr über das Netzwerk Kunst | Kultur | Geschichte findet ihr auch auf der Website des Verbands.
Mariette Franz: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Regina Wenninger: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Petra Renkel: Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis
Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild: (von links nach rechts): Mariette Franz (Foto: Falk Weiß, Berlin), Petra Renkel (beresfotografie, München) und Regina Wenninger (Kirsten Luna Sonnemann)
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