„Der Verlag hat mir beim Inhalt freie Hand gelassen“

Als Lektorin mit jahrzehntelanger Erfahrung sind VFLL-Kollegin Helga Berger die Fehlerquellen der deutschen Sprache bestens vertraut. Bereits 2019 hat sie einen Ratgeber über das Schreiben von Seminar- und Abschlussarbeiten veröffentlicht. Von dort aus war der Weg zum Buch Nummer zwei nicht mehr weit: Im Frühjahr 2022 kam ihre Neuerscheinung „444 Stolpersteine der deutschen Sprache“ auf den Markt. Im Interview erzählt die Autorin, wie sie aufs neue Buchprojekt gekommen ist und warum sie von der Zusammenarbeit mit dem Verlag viel Positives berichten kann.

Um was für ein Werk handelt es sich?

Ich habe ein Buch über häufige Schwierigkeiten im Deutschen geschrieben, es heißt „444 Stolpersteine der deutschen Sprache. Schnelle Hilfe bei häufigen Fehlern“. Die Auswahl habe ich selbst getroffen: Als Lektorin kenne ich aus jahrzehntelanger Erfahrung die üblichen Fehler nun wirklich zur Genüge.

Das Buch listet die Schwierigkeiten in alphabetischer Reihenfolge auf: Es ist also nicht gegliedert in Sachgebiete wie Rechtschreibung oder Zeichensetzung. Bei einem Stichwort kann man z. B. etwas zur Rechtschreibung finden und/oder zur Grammatik, je nachdem, was Schwierigkeiten bereitet. Es soll auf diese Weise zum Stöbern einladen.

Ich habe auch darauf Wert gelegt, dass man die Erläuterungen zu jedem Stichwort ohne Vorbereitung lesen kann – nach dem Wort Adjektiv folgt beispielsweise jedes Mal die Erklärung Eigenschaftswort. Hinzu kommen viele Beispielsätze. So habe ich zu einer beliebten Verwechslung darauf hingewiesen, dass die Rezension (Besprechung eines künstlerischen Werks, z. B. eines Buchs) etwas ist, was der Schriftsteller herbeisehnt, zugleich aber auch fürchtet. Die Rezession, den Konjunkturrückgang, fürchtet der Rest der Menschheit.

Das Buch ist für alle geeignet, die ohne großen Aufwand mehr Sicherheit bei schwierigen Fällen der deutschen Sprache erwerben möchten.

Wie warst du daran beteiligt?

Ich hatte die Idee und war die Autorin.

Wie bist du zu dem Werk oder auf das Thema gekommen?

Ich habe als Lektorin schon immer meine Änderungsvorschläge in einem Text mit Kommentaren verziert: So habe ich etwa, wenn ich ein falsches „scheinbar“ bemängelt habe, das Beispiel eines anscheinend intelligenten Menschen (ich weiß, dass er wirklich intelligent ist) gegenüber einem scheinbar intelligenten Menschen gebracht (der ist, wie ich sehr wohl weiß, gar nicht so schlau).

Da hatte ich eines Tages dann die Idee, das alles mal zusammenzufassen, und auf der Festplatte lagen auch noch derartige Erläuterungen, die meinen Kürzungen beim ersten Buch „Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit“ zum Opfer gefallen waren. Ich habe der Lektorin vom Verlag diese „Flause“ vorgestellt. Wir sind dann, damit das neue Buch ins Programm passt, darauf gekommen, dass ich ganz allgemein über sprachliche Schwierigkeiten schreibe. Das gab mir erfreulich großen Spielraum, denn ich konnte mich mit der Rechtschreibung, der Zeichensetzung, aber auch mit der Grammatik (der „vierstöckige Hausbesitzer“ ist ein Grammatikproblem) und häufigen Schwierigkeiten wie eben dem Unterschied zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“, „dass“ und „das“, „seid“ und „seit“ beschäftigen. Der Verlag hat mir beim Inhalt freie Hand gelassen und bei anderen Fragen, z. B. beim Layout, immer hervorragend mit mir zusammengearbeitet. Faule Kompromisse musste ich nicht schließen.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Das Schreiben dauerte etwas mehr als ein halbes Jahr. Das ist recht wenig, aber ich bewegte mich ja auch auf meinem ureigensten Gebiet. Weil ich aber natürlich wusste, wie schnell die Betriebsblindheit zuschlägt, bat ich danach noch zwei Personen um einen Korrekturdurchgang. Auch wenn ich nicht alle Vorschläge übernommen habe, musste ich mich mit diesen doch auseinandersetzen. Das hat dem Buch viel gebracht.

Gab es spezielle Herausforderungen?

Neben der Getrennt- und Zusammenschreibung, bei der die Rechtschreibreform ziemlich gewütet hat, war das ganz ohne Frage der Konjunktiv. Es gibt nicht genug Formen, manche sind veraltet, manche sind identisch mit Formen des Indikativs. Das auf einfache Weise darzustellen, ohne Tabellen oder Ähnliches, war schon knifflig.

Was hat besonders Freude gemacht?

Sich die mehr oder weniger lustigen Beispielsätze auszudenken. Außerdem fand ich es interessant, auch mal nachzusehen, was aus manchen Aufregern der Rechtschreibreform geworden ist. Ich kann es hier verraten: Sowohl der Ketschup als auch die Majonäse sind raus – der Rechtschreibrat hat sie wegen zu geringer Anwendungsquoten zurückgezogen. Da haben die Leute nicht mit den Füßen, wohl aber mit der Tastatur abgestimmt. Sehr vernünftig, wie ich finde.

Wie fühlt es sich an, das Werk nun in den Händen zu halten?

Nach meinem ersten Buch zur Abschlussarbeit, für das ich viel länger gebraucht habe und mich manchmal erst einarbeiten musste (Word!), war das hier einfach ein Vergnügen. Das Ergebnis einer Arbeit, die solchen Spaß gemacht hat, vor sich zu sehen, ist einfach toll.

Gibt es noch etwas, das du uns dazu sagen möchtest?

Als ausgewiesene Hobbyfotografin habe ich auch noch das passende Coverbild selbst gemacht. Bei den Stockfotos habe ich nichts Passendes gefunden – die erinnerten einfach zu sehr an Schule und ungeliebten Grammatikunterricht. Genau das wollte ich aber vermeiden. Also habe ich mir selbst ein Motiv ausgedacht und es fotografiert. Der Verlag hat dieses maßgeschneiderte Foto sehr gern genommen. Darauf bin ich sehr stolz: mein erstes veröffentlichtes Foto!

Cover: © utb.
Foto: Lektorin und Autorin Helga Berger, © privat
Interview: Katja Rosenbohm


Helga Berger: 444 Stolpersteine der deutschen Sprache. Schnelle Hilfe bei häufigen Fehlern. UTB, 1. Auflage, 2022. 311 Seiten, Broschur, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-8252-5755-2.

Das Buch bei utb.

Das Buch ist außerdem über den Buchhandel und online z. B. im Autorenwelt-Shop des Uschtrin-Verlags erhältlich.


Von der Autorin ist noch ein weiteres Buch bei utb erschienen:

Helga Berger: Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit. Gliedern – formulieren – formatieren, Schöningh / UTB, 1. Auflage, 2019. 349 Seiten, Broschur, 24,99 Euro, ISBN: 978-3-8252-5106-2.

Blogbeitrag zum Buch „Ich wollte schreiben, wie es mir passte“


Weitere Bücher von VFLL-Kolleginnen und -Kollegen:

„Kinder – wie Erwachsene – lieben Räubergeschichten“ (2022)
„Als Lektorin habe ich es unglaublich genossen, meinen Text lektorieren zu lassen“ (2021)
„Es war toll, so nah an und mit der Zielgruppe zu arbeiten“ (2021)
„Nicht aufgeben. Dranbleiben und an dem Text arbeiten.“ (2019)
Kathrin Jurgenowski über „Die Vampirjagd“ (2019)
„Ich staune immer wieder, wie viel Arbeit ein Reiseführer macht“ (2019)
„Lichter im Advent“ – ein kalorienfreier Adventskalender (2018)
„Der Text muss auch ohne die Musik stehen!“ (2018)
„Ein ergötzliches Dribbling durch die Sprache des Fußballs“ (2018)

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