„Ich hab einfach gemacht und dabei gelernt“

Ein Tausendsassa; dieser Begriff fiel mir ein, als ich erfuhr, was Emma Sommerfeld so alles „treibt“. Sie ist nicht nur freie Lektorin und Sprecherin der Berliner VFLL-Regionalgruppe – nein, sie ist auch Autorin und Schreibcoach, bietet als solche Schreibkurse an und produziert auch noch einen Geschichts-Podcast. Wie das alles kam, erzählt Emma Sommerfeld im folgenden Beitrag.

Wie kamst du zum Schreiben? Hast du dir schon als Kind Geschichten ausgedacht und sie aufgeschrieben?

Schreiben und Lesen hab ich mir schon ganz früh beigebracht, ich vermute: aus Langeweile. Jedenfalls konnte ich von da an mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören. Nachdem ich Kochrezepte und Kalendersprüche hinter mir gelassen hatte, kamen Bücher dazu, und sich zum Gelesenen Fortsetzungen auszudenken oder „Spin-offs“, ist vermutlich eine natürliche Entwicklung. Einen Rückschlag erlitt ich allerdings in der 3. Klasse, als wir eine Vertretungslehrerin bekamen, die meine Aufsätze zu fantasievoll fand. Das brachte mich etwas aus dem Konzept. Zum Glück aber nur vorübergehend.

Wie hat sich dein Weg als Autorin entwickelt? Du begleitest als Schreibcoach andere, hast du selbst auch einmal Unterstützung erfragt und dich beraten lassen?

Emma Sommerfeld ist freie Lektorin und Sprecherin der Berliner VFLL-Regionalgruppe, Autorin und Schreibcoach, darüber hinaus produziert sie einen Geschichts-Podcast.

Das Schreiben war praktisch wie theoretisch eigentlich immer da und hat sich ganz selbstverständlich entwickelt. Nach dem Frühstart kam am Ende der Schullaufbahn der Deutsch-Leistungskurs, später hab ich Germanistik und Geschichte studiert und ganz pragmatisch beide Fächer verbunden, indem ich mich mit frühen autobiografischen Schriften beschäftigt habe.
Als mein Studium sich dem Ende näherte und ich mich fragte, wie ich wohl neben Dissertation und Babyschaukeln noch einen Job finden könnte, erinnerte ich mich, dass ein früherer WG-Mitbewohner mal seine Kurzgeschichten bei verschiedenen Verlagen unterbringen wollte – und ihm Heftromane angetragen worden waren. Was er natürlich empört zurückgewiesen hatte. Ich sah darin eine Möglichkeit, auf angenehme Weise von zu Hause aus Geld zu verdienen – und fand tatsächlich sofort eine sehr herzliche und persönliche Aufnahme beim Bastei-Verlag, wo gerade eine tragende Autorin für eine bestimmte Reihe gesucht wurde.

Um auf deine Frage zurückzukommen: Nachdem ich für meine Nebenjobs schon Presseartikel und Werbematerial geschrieben und mich im Studium mit biografischen Texten beschäftigt hatte, war das mein Crash-Kurs im Romanschreiben: Regelmäßig und in bestimmtem Format eine Reihe beliefern, da muss das Handwerkszeug schnell sitzen. An der Uni Mainz hab ich noch später einen Kurs übers Drehbuchschreiben belegt, und so ging es immer weiter: Ich hab einfach gemacht und dabei gelernt.

Du hast auch einen speziellen Podcast ins Leben gerufen. Einen Geschichts-Podcast, in dem es hauptsächlich um interessante Frauen geht. Wie bist du auf diese Idee gekommen? Ich kann mir vorstellen, dass du als Mutter, als Autorin, Lektorin und Schreibcoach schon genug um die Ohren hattest. Oder wie war die Reihenfolge Deiner beruflichen Aktivitäten?

Die Idee hab ich ewig mit mir herumgetragen, denn ich kenne so viele Lebensgeschichten aus der Geschichte. Ich fand es immer spannend, längst vergangene Biografien in den Tiefen der Historie zu entdecken, abzustauben und den Menschen dahinter noch einmal ans Licht zu holen. Lebensläufe sind so faszinierend. Letztes Jahr hab ich’s dann mal gemacht. Der Podcast ist also noch ziemlich jung, und ich schaffe auch nicht allzu viele Folgen im Jahr. Aber gerade bin ich dabei, die Texte für die nächste Runde zu schreiben.

Wie ist die Gewichtung der verschiedenen Arbeitsbereiche? Hast du einen Schwerpunkt und die anderen Bereiche gruppieren sich um ihn herum. Oder ist es eher im flow? Mal überwiegt diese Beschäftigung mal jene?

Ach, wie es gerade kommt und sich ergibt. Ich bin da völlig flexibel.

Und was machst du am allerliebsten?

Das kann ich so genau gar nicht sagen. Es ist ja die Mischung, die viel Abwechslung bietet, und die einzelnen Projekte beflügeln sich gegenseitig. Das ist das, was ich mag und mich immer wieder weiterbringt.

Du engagierst dich seit letztem Jahr als Sprecherin der Regionalgruppe Berlin. Wie kam es dazu bzw. seit wann bist du im VfLL und was gefällt dir am Verbandsleben?

Ich war noch gar nicht lange Mitglied beim VfLL, als ich eine erste Fortbildung zu einem eher technischen Thema besuchte und von meiner jetzigen Kollegin Gisela [Lehmeier, die Red.] gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, Sprecherin zu werden. Ich hab eine Weile darüber nachgedacht und dann zugesagt. Woran sich erkennen lässt, dass mir a) die Fortbildung gefiel und ich b) die Kolleginnen, die ich dort traf, sehr sympathisch fand. Verbandsleben ist immer auch das, was man daraus macht – wenn sich niemand engagiert, dann passiert auch nichts. Abgesehen davon gefällt es mir, nicht in allem Einzelkämpferin zu sein.

Hast du bei all den verschiedenen beruflichen Tätigkeiten noch Zeit und Energie Hobbys zu pflegen? Falls ja, welche?

Fast genauso früh wie das Schreiben kam das Interesse für Kunst in mein Leben – und wenn ich mich nicht mit Texten beschäftige, dann damit. Kunsthandwerk ist oft auch Teil meines Alltags. Meine Themen haben mit Textilien und Fasern zu tun, und während das Schreiben ja doch eher etwas Virtuelles und Theoretisches ist, finde ich eine Ergänzung in der handwerklichen Arbeit, die das Bedürfnis nach etwas Greifbarem und haptisch Erfahrbarem befriedigt. Derzeit ist es mehr Kunst als Handwerk – also auch da entwickelt sich noch etwas. Allerdings betrachte ich das nicht als Hobby. Alle Bereiche meines Lebens gehören zusammen. Ich trenne da nicht.

Wo hast Du diese tollen Fotos, die deine Website so ansprechend machen, her?

Die hab ich selbst gemacht. Dafür hab ich mir extra ein Smartphone mit einer besonders guten Kamera gekauft, und ich besitze eine ziemlich umfangreiche Sammlung schöner alter Dinge, die recht dekorativ sind und eine bestimmte Atmosphäre erzeugen, die mich und meinen Arbeitsraum ganz gut repräsentiert, denke ich.

Interview: Sibylle Schütz
Alle Fotos: (c) Emma Sommerfeld / privat


Emma Sommerfelds Website und Profil im VFLL-Verzeichnis


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3 Gedanken zu „„Ich hab einfach gemacht und dabei gelernt“

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