„Ich wollte mich nach Lust und Laune weiterbilden“

VFLL-Mitglied Elke Gober machte ihren Bachelor in Journalistik und hängte eine Ausbildung zur Übersetzerin hintendran. Heute arbeitet sie in ihrem Traumberuf als freiberufliche Übersetzerin und Lektorin. Im Verband ist sie eine der beiden Ansprechpartnerinnen in der überregionalen Arbeitsgemeinschaft Honorare und betreut in ihrer bayerischen Regionalgruppe ein Patenschaftsprogramm für Neumitglieder.

Du hast dich nach einem Jahr Tätigkeit als angestellte Übersetzerin als Lektorin und Übersetzerin selbstständig gemacht. Wie kam es zu diesem Schritt?

Da kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich war in der damaligen Position hauptsächlich Projektmanagerin mit sehr vielfältigen Aufgaben und habe fast gar nicht übersetzt. Für Lektorat gab es auch keinen Platz. Die Stelle an sich hätte viele tolle Chancen geboten, aber jegliches Engagement wurde von oben im Keim erstickt: „Wir machen das immer schon so.“ Und das bei schlechter Bezahlung, unbezahlten Überstunden und völlig unflexiblen Arbeitszeiten.

Natürlich hätte ich mich auch nach einer Anstellung als Übersetzerin oder Lektorin zu besseren Bedingungen umsehen können, aber dann hätte ich mich wieder auf einen Bereich festlegen müssen. Ich wollte aber sowohl übersetzen als auch lektorieren, und zwar nicht auf ein Fachgebiet oder ein Genre beschränkt. Ich wollte mich nach Lust und Laune weiterbilden und engagieren können und mir meine Aufgaben und Arbeitszeiten frei einteilen können. All das bietet nur die Selbstständigkeit.

Dein Unternehmen heißt Textkonfekt. Was hat es mit dem Namen auf sich?

Das Logo der Marke Textkonfekt, die Elke Gober zusammen mit Texterin Helene Kilb aus Hannover gegründet hat.

Meine Kollegin und ich sind jeweils auf mehrere, verschiedene Bereiche spezialisiert. Ein Unternehmensname bestehend aus einem oder beiden Nachnamen und unserem Haupttätigkeitsbereich hätte nicht funktioniert. Wir haben also nach einem Namen gesucht, den wir beide für all unsere Dienstleistungen nutzen können: irgendwas mit „Text“.

Solche Unternehmensnamen gibt es natürlich wie Sand am Meer, also haben wir die Sache von hinten aufgerollt und uns gefragt, was uns und unser Team eigentlich ausmacht. Wir sind nur zu zweit, bearbeiten also fast ausschließlich kleinere Projekte, aber diese dafür mit Herz und Liebe zum Detail. Der Vorschlag „Textkonfekt“ kam schließlich von der Schwester meiner Kollegin: „Kleine, feine Texte, die man sich auf der Zunge zergehen lässt – wie Pralinen.“

Du bist also keine klassische Soloselbstständige, sondern arbeitest mit einer Kollegin zusammen. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen, wenn du im bayerischen Eichstätt sitzt, während deine Kollegin ihr Büro in Hannover hat?

Helene bezeichnet uns gern als virtuelle Bürogemeinschaft, aber seit der Pandemie ist das eigentlich nichts Besonderes mehr. Wir telefonieren regelmäßig und halten uns gegenseitig über unsere Projekte auf dem Laufenden oder stimmen die Inhalte für Social Media ab.

Und unsere Dienstleistungen ergänzen sich gut: Helene ist für das Schreiben zuständig und ich für die Überarbeitung bzw. Übersetzung. Dennoch hatte jede von uns von Anfang an ihre eigenen Kunden und bei Bedarf eben die Kollegin empfohlen.

Was ist der Vorteil an einer (virtuellen) Büro- und Arbeitsgemeinschaft?

Wir haben uns zusammengeschlossen, um Kosten und Ressourcen zu sparen. Zu zweit lassen sich eine Webseite und Social Media viel leichter regelmäßig mit Inhalten füllen. Wir profitieren stark davon, dass wir ganz verschiedene Arbeitstypen sind, die sich aber super ergänzen: Während Helene hauptsächlich für den kreativen Input zuständig ist, übernehme ich die Organisation und Planung.

Außerdem war anfangs noch keine von uns besonders gut vernetzt, da war es toll, eine Sparring-Partnerin für die alltäglichen Herausforderungen zu haben. Helene ist bis heute meine erste Ansprechpartnerin, wenn ich unsicher bin, wie ich kalkulieren oder mit einem Problem umgehen soll. Weil wir zu zweit sind und verschiedene Schwerpunkte haben, können wir gleich in mehreren Verbänden netzwerken.

Als VFLL-Mitglied bist du nicht nur in der AG Honorare aktiv, sondern betreust auch in der bayrischen Regionalgruppe ein Patenschaftsprogramm für Neumitglieder. Warum liegt dir das am Herzen?

Ich bin ein unglaublich strukturierter und organisierter Mensch, der größere Entscheidungen doppelt und dreifach durchrechnet und mindestens zwei Notfallpläne im Ärmel hat. Mir war schnell klar, dass es den Beruf, wie ich ihn ausüben möchte, nicht als Festanstellung gibt. Also habe ich bereits in der Übersetzerausbildung versucht, die Selbstständigkeit vorzubereiten: Ich habe Kurse besucht, ein Netzwerk aufgebaut, die ersten Kunden gewonnen, recherchiert.

Aber es gab einfach nicht genug Informationen, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu meiner Zufriedenheit einschätzen zu können. Wäre meine Erfahrung in der Festanstellung nicht ganz so fürchterlich gewesen, hätte ich diesen Schritt wahrscheinlich nie gewagt – trotz guter Vorbereitung, wie ich im Nachhinein festgestellt habe.

Sehr viel Unterstützung bei der Umsetzung meines Traums habe ich im Mentoring-Programm des BDÜ Bayern erhalten. Gar nicht unbedingt in fachlicher Hinsicht, auch wenn es die entsprechenden Ressourcen gibt, sondern vielmehr im persönlichen Bereich. Wie strukturiere ich meinen Arbeitsalltag? Brauche ich unbedingt eine teure Steuersoftware? Habe nur ich nach einem durchgearbeiteten Tag das Gefühl, überhaupt nichts geschafft zu haben? Das Gefühl, dass ich mit solchen Sorgen als Anfängerin nicht allein bin und auch erfahrene Kollegen und Kolleginnen nicht davor gefeit sind, das hat mir sehr geholfen.

Dann kam letztes Jahr in der Versammlung der VFLL-RG Bayern der Wunsch auf, ein Patenschaftsprogramm ins Leben zu rufen – da musste ich natürlich dabei sein. Bald findet unser erstes Zwischenbilanz-Treffen statt. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten werden.

Interview: Katja Rosenbohm 
Foto: © Christine Gober, Foto Flamm


Elke Gobers Website und Profil im VFLL-Verzeichnis


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Ein Gedanke zu „„Ich wollte mich nach Lust und Laune weiterbilden“

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