„Ich habe gelernt, mehr auf mein Herz als auf meinen Kopf zu hören“

VFLL-Kollegin Romy Schneider kommt aus Dortmund und lektoriert Manuskripte aus der Belletristik und dem Bereich Sachbuch. Sie ist darüber hinaus gelernte Werbekauffrau, hat BWL studiert und bietet als Umweltreferentin Workshops zum Thema Nachhaltigkeit in Schulen und Kitas an. 2020 hat Romy Schneider mit „Herz schlägt Kopf“ ihr eigenes Buch geschrieben und veröffentlicht.

Deine Biografie liest sich sehr abwechslungsreich. Was hat dich zum Lektorat gebracht?

Ich hatte schon früh ein Faible für Bücher, egal ob es ums Lesen ging, ums Schreiben oder ganz allgemein um das Verlagswesen. Sowohl Autor:innen als auch Lektor:innen habe ich immer bewundert, weil ich gute Texte einfach als wertvoll empfinde. Doch dass ich das beruflich mache, auf die Idee bin ich früher nicht gekommen. Ich hatte es als Hobby abgehakt. Während meiner Tätigkeit als Kundenberaterin in verschiedenen Kommunikationsagenturen habe ich viel mit Lektor:innen zusammengearbeitet und viel von ihnen gelernt. In meiner letzten Anstellung als Onlinemarketing-Managerin habe ich dann selbst viel getextet, lektoriert und korrigiert und gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Außerdem hatte ich für mein Buch auch eine Lektorin, ich dachte die ganze Zeit „Mensch, das könnte ich doch auch machen, das wär doch genau meins!“ Das erinnerte mich wieder an meine Liebe zu Büchern. Ich wollte weg von der Unternehmenskommunikation und rein in die Bücherwelt. Mein Buch und der ganze Prozess dahinter haben letztendlich den Ausschlag gegeben. Und heute bin ich total glücklich damit, mich als freie Lektorin selbstständig gemacht zu haben.

Du hast dir vor wenigen Jahren einen großen Traum erfüllt und hast dich mit deiner Familie auf Weltreise begeben. Was war der Auslöser für eure Reise?

Romy Schneider mit ihrer Familie

Ich habe damals in einer Werbeagentur in Essen gearbeitet, zuvor in diversen Agenturen in Düsseldorf. Ich wohne aber in Dortmund und bin jeden Tag mit dem Auto über die A40 gefahren. Und jeden Tag stand ich im Stau. Nicht selten ein bis zwei Stunden am Stück. Ich habe dann irgendwann mal ausgerechnet, wie viele Stunden in meinem Leben ich wegen der Arbeitsstrecke schon im Stau stand. Ich kam auf mehrere Monate. Das hat mich so sehr frustriert, ich wollte diese verschwendete Lebenszeit zurückhaben. Dazu kam, dass ich schon längst keinen Spaß mehr an meinem Job hatte. Außerdem sind wir, mein Partner und ich, absolut reiseverrückt und fühlten uns von den „drohenden“ Schulferien eingeschränkt, die uns bald bevorstünden. Unsere Tochter war fünf, als wir uns dann entschieden, dass wir vor ihrer Einschulung noch eine längere Auszeit nehmen wollen. Meinen Job musste ich dafür kündigen, weil mir ein Sabbatical nicht genehmigt wurde. Heute sage ich „Danke dafür!“, denn sonst würde ich vermutlich immer noch jeden Tag nach Essen fahren.

Im Oktober 2020 ist dein Buch „Herz schlägt Kopf – wie ich mit meiner Familie um die Welt reiste, um das Glück zu finden“ im WNJ-Verlag erschienen. Worum geht es in dem Buch?

Romy Schneiders Buch „Herz schlägt Kopf – wie ich mit meiner Familie um die Welt reiste, um das Glück zu finden“, (c) WNJ-Verlag

In meinem Buch geht es um den ganzen Entwicklungsprozess, der bei mir stattgefunden hat. Von der Entscheidung, diese Reise zu machen über die Erlebnisse während der Reise bis hin zu: Was hat das alles mit mir gemacht. Es ist eine persönliche Reisegeschichte. Eine Reise, die im Außen stattfand mit all den tollen Erlebnissen, aber auch im Inneren. Es war ständig ein Kampf zwischen Herz und Kopf, weshalb auch der Haupttitel „Herz schlägt Kopf“ heißt. Ich war immer eher ein Kopfmensch, der Sicherheit wollte, doch mein Herz war irgendwann lauter, brauchte mehr Freiheitsgefühl, und ich habe gelernt, mehr auf mein Herz als auf meinen Kopf zu hören. Übrigens ist das auch der Grund, warum ich mich Kopfreisen-Lektorat nenne. Und aufgrund meiner eigenen Geschichte sowie dadurch, dass ich selbst sehr viele Bücher zum Thema Reisen, Natur, Gesellschaft und Persönlichkeitsentwicklung lese, habe ich mich darauf auch im Lektorat spezialisiert.

Eines deiner Herzensthemen ist die Nachhaltigkeit, du gehst als Umweltreferentin an Schulen und in Kitas. Was möchtest du konkret verändern?

Genau, das Thema Nachhaltigkeit ist bei mir auch erst durch die Reise so wichtig geworden. Ich habe an vielen Orten auf der Welt gesehen, wie belastet unsere Umwelt von Müll und Plastik ist. Wir haben an vielen Stränden Clean-ups gemacht, um irgendwie etwas zu tun. Als wir wiederkamen, bot sich mir die Gelegenheit, an einer Berufsschule einen Vortrag über Plastikmüll und seine Folgen zu halten. Das hat mich dann auf die Idee gebracht, das vor allem für Kitas und Grundschulen anzubieten. Denn Kinder sind zum einen begeisterungsfähiger als Erwachsene, die oft in ihren eingefahrenen Verhaltensweisen feststecken, und zum anderen sind sie es, die es mal besser machen müssen als die vergangenen Generationen. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, was zu viel Müll eigentlich anrichtet und wie überlebenswichtig die Natur für uns Menschen ist.

Auch als Lektorin möchte ich der Natur etwas zurückgeben. Für jeden Auftrag spende ich an das Buchen-Urwaldprojekt der Waldakademie von Peter Wohlleben.

Interview: Katja Rosenbohm
Beitragsfoto Südafrika und Familie: (c) Romy Schneider


Romy Schneiders Website und Profil im VFLL-Verzeichnis


Romy Schneider: „Herz schlägt Kopf – wie ich mit meiner Familie um die Welt reiste, um das Glück zu finden“. Taschenbuch, WNJ-Verlag, 256 Seiten, 2020. 14,95 Euro
ISBN: 978-3-947824-08-3

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Das Buch ist außerdem über den Buchhandel und online zum Beispiel im Autorenwelt Shop unseres Kooperationspartners erhältlich.


Zum Urwaldprojekt von Peter Wohlleben


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4 Gedanken zu „„Ich habe gelernt, mehr auf mein Herz als auf meinen Kopf zu hören“

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