Schwarz-weiß-Foto von Matthias Höhne, dem Gründer des Netzwerks Comic, Manga, Graphic Novel

Zwischen Panel und Plot: das Netzwerk Comic, Manga, Graphic Novel

Spaß an der Sache ist das Wichtigste im Netzwerk Comic, Manga, Graphic Novel. Hier können alle Interessierten gemeinsam Themen wälzen von Soundwords bis Übersetzungstipps – denn da gibt es besondere Herausforderungen! Wir hatten den Netzwerkkoordinator Matthias Höhne im Interview.

„Comic, Manga, Graphic Novel – da ist doch kaum Text, wofür braucht man da ein Lektorat?“ Ist das ein Vorurteil, das ihr im Netzwerk gut kennt? Und worauf kommt es beim Lektorat dieser Textsorten an?

Das wurde ich, wenn ich mich recht entsinne, genau ein Mal gefragt. In den letzten zehn Jahren hat sich erfreulicherweise einiges getan, was die Etablierung und Akzeptanz von Comic, Manga und Co. als mediale Form angeht. Allgemeine Vorurteile oder Klischees – „Das ist nur etwas für Kinder“ oder „Das ist keine Literatur“ – halten sich zwar noch, haben aber abgenommen.

Ein paar Besonderheiten fallen mir sofort ein, die dem Comic- und Manga-Lektorat zu eigen sind: Es wird über eine Bild- und Textebene gleichzeitig erzählt, die Lektor*innen bei ihrer Arbeit gleichermaßen berücksichtigen müssen. Dadurch können bestimmte Formulierungen manchmal nicht genutzt werden, wenn sie dem widersprechen, was zu sehen ist. Außerdem haben wir es nicht nur, aber zu einem großen Teil mit Dialogen, mit gesprochener Sprache zu tun. Dass damit anders umzugehen ist als mit Prosapassagen ohne Dialoge, ist klar. Ansonsten gibt es noch eine ganz konkrete, pragmatische Sache: Bei Übersetzungen muss der Text in die Sprechblase passen. Es wird vermieden, Blasen einfach größer zu ziehen, immerhin sind sie Teil der Originalgrafik und nicht willkürlich platziert. Das kann ganz schön knifflig werden.

Wie kam die Idee zustande, im VFLL ein Netzwerk für Comic, Manga und Graphic Novel zu gründen? Wie viele Mitglieder habt ihr?

Die Idee kam bei einem Treffen der Regionalgruppe Berlin auf und hat sich bei der Fachtagung des VFLL in Berlin 2024 verfestigt. Der ganze Bereich war meiner Wahrnehmung nach im Verband mehr oder minder unsichtbar, aber mehr Vernetzung und Austausch ist natürlich auch für diese Nische wünschenswert. Momentan sind neun VFLL-Mitglieder im Netzwerk dabei.

Welche Themen stehen bei euren Treffen im Mittelpunkt? Und wie oft seht ihr euch?

Nach einem sehr schönen Online-Kennenlerntreffen und persönlichem Austausch mit einigen Mitgliedern auf der Leipziger Buchmesse ist das Netzwerk erst mal in einen Dornröschenschlaf gefallen – leider. Ich glaube, uns allen fehlte seitdem ein wenig Energie und Zeit. Ich habe aber ein, zwei Ideen, die ich dieses Jahr noch gern anschieben würde; unter anderem einen Online-Themenabend zum Comiclektorat für Verbandsmitglieder. Demnächst wird Dornröschen also die Schlafstatt verlassen.

Ich glaube, was uns umtreibt, lässt sich recht prägnant zusammenfassen: die wirtschaftliche Entwicklung des Comic- und Manga-Marktes, Auftragsakquise und Beziehungen zu Verlagen knüpfen, Austausch über eigene Projekte und Spaß am Medium.

Was sollte man mitbringen, um Mitglied in eurem Netzwerk werden zu können?

Interesse an Comic, Manga und/oder Graphic Novel ist das Wichtigste. Es ist egal, ob man bereits in dem Bereich arbeitet oder Lust darauf, aber noch keine konkreten Aufträge hat. Ich finde es produktiv, Leute zusammenzubringen, die hier an verschiedenen Stellen stehen. Und wenn jemand Lust hat, ganz konkrete Ideen umzusetzen – umso besser.

Wie bist du selbst beruflich in dem Bereich gelandet – und was macht diese Gattungen für dich aus?

Comics waren der Auslöser dafür, dass ich überhaupt im Berufsfeld Lektorat gelandet bin. Ich wollte mit dem Medium arbeiten, und da war das Verlagswesen naheliegend.

Comics, Manga, Manhwa, Graphic Novels und alle anderen Formen des sequenziellen Erzählens haben für mich eins gemeinsam: Sie verbinden grafische mit erzählerischer Kunst. Als visueller Mensch, der auch Geschichten mag, war das quasi ein Jackpot für mich. Und: Diese Form bietet eine große Freiheit. Schon oft habe ich beim Comic-Lesen gedacht: „Als Roman wäre das vielleicht kitschig/unglaubwürdig/zu wirr …“ – es würde in jedem Fall völlig anders wirken. Aber als Comic oder Manga funktioniert es eben.

Redaktion: Cornelia Thoellden
Korrektorat: Sibylle Schütz
Aufmacherbild: Porträt von Matthias Höhne, privat

Matthias Höhne: Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis

Wer sich dem Netzwerk „Comic, Manga, Graphic Novel“ anschließen will, findet Matthias’ Kontaktdaten im Mitgliederbereich unter „Ansprechpersonen im Verband“ (zuerst einloggen). Mehr zum Netzwerk gibt es hier auf der VFLL-Website.

Andere Netzwerke im VFLL:

Kunst, Kultur und Geschichte im VFLL – ein Netzwerk im Aufbau
And … Action: das Netzwerk Drehbuchlektorat
Von der schönen Literatur: das Netzwerk Belletristik
Werbung, Unternehmenskommunikation & Co: das Netzwerk Werbelektorat
Viel mehr als Schulbuch und Arbeitsblätter: das Netzwerk Bildungsmedien