Lektoratssprechstunde, Verbandsinfos und natürlich der Austausch mit anderen Sprachmenschen: Der VFLL ist vom 7. bis zum 11. Oktober wieder auf der Frankfurter Buchmesse präsent. Über die Messe und unseren Stand E44 in der Halle 5.0 haben wir mit Vanessa Michaeli gesprochen, die das Frankfurter VFLL-Messeteam leitet.
Warum genau ist der VFLL eigentlich mit einem eigenen Stand auf der Frankfurter Buchmesse?
Die Teilnahme an der FBM bietet uns eine große Bühne, um das freie Lektorat und seine Bedeutung in der Buchbranche sichtbar zu machen. Ohne gutes Lektorat kein gutes Buch! Außerdem sehen wir uns als Anlaufstelle für aktuelle wie potenzielle Mitglieder sowie für Schreibende. Am Messestand kann man den Verband und das Thema Lektorat ganz unkompliziert kennenlernen. Die Präsenz auf der Messe zeigt außerdem die menschliche Seite des Lektorats. Gerade in Zeiten von generativer KI möchten wir unseren Mitgliedern, aber auch unserer Kundschaft zeigen: Wir unterstützen uns gegenseitig, übernehmen Verantwortung und sind nicht nur fachlich, sondern eben auch als Menschen füreinander da. Last but not least ist die Messe eine gute Gelegenheit, alte Kontakte in der Branche zu pflegen und neue zu knüpfen.
Warum lohnt sich ein Besuch am Stand des VFLL, wann sollte man als Lektor*in zu euch kommen?
Natürlich auf jeden Fall dann, wenn man überlegt, Mitglied zu werden und sich rund um den VFLL informieren möchte. Der Verband bietet Rückhalt, der nur durch Gemeinschaft entstehen kann. Übrigens: Wer im Oktober eintritt, spart zwei Monate Beitrag! Wir beantworten auch gern Fragen dazu, wie man beruflich den Weg ins freie Lektorat bzw. Korrektorat findet. Außerdem trifft man Lektorierende und Schreibende aus anderen Arbeitsfeldern als den eigenen. Der VFLL ist sehr heterogen, unsere Mitglieder arbeiten in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen. Der Blick über den eigenen Tellerrand liefert immer neue Sichtweisen. Davon abgesehen bietet der Stand eine gute Möglichkeit, VFLL-Kolleg*innen persönlich kennenzulernen oder wiederzusehen.
| »Wir unterstützen uns gegenseitig, übernehmen Verantwortung und sind nicht nur fachlich, sondern eben auch als Menschen füreinander da.« |
Lohnt sich der Besuch auch für Autor*innen?
Ja, klar! Zum einen bekommt man bei uns Infos rund ums Lektorat, zum anderen trifft man uns als die Menschen hinter der „Rotstift-Kritik“. Das nimmt oft die Angst vor dem allerersten Lektorat, die viele Schreibende haben. Wir sprechen auch gern darüber, warum man trotz ChatGPT & Co. auf unsere menschliche Expertise setzen sollte. Sogar auf konkrete Fragen zum eigenen Text können wir eingehen, dazu bieten wir die Lektoratssprechstunde „Offen.Kundig“ an.
| »Ohne gutes Lektorat kein gutes Buch!« |
Du hast gerade die Lektoratssprechstunde angesprochen. Was hat es damit auf sich?
Die Lektoratssprechstunde ist die einfachste Möglichkeit, ein erstes professionelles Feedback zu einem Text, einem Exposé oder einer Buchidee zu bekommen: Ein Mitglied von uns steht zehn Minuten lang exklusiv für ein „Live-Lektorat“ oder eine Beratung zur Verfügung.
Es ist außerdem eine tolle Möglichkeit, das Thema Lektorat überhaupt kennenzulernen: Besonders Erstautor*innen haben oft Angst vor der Rückmeldung aus dem Lektorat, fürchten, dass ihr Text entweder „zerrissen“ oder komplett umgeschrieben wird. In der Lektoratssprechstunde erhalten sie ohne viel Vorbereitung und ohne finanziellen Aufwand erstes Lektorats-Feedback, von Mensch zu Mensch.
Zehn Minuten, ist das nicht ganz schön kurz?
Das fragen sich anfangs viele (grinst). Und sind dann überrascht und begeistert, wie viel wir in zehn Minuten sehen und wie viel sie aus dieser kurzen Zeit mitnehmen können.
Wann und wo findet die Lektoratssprechstunde statt und wie kann man sich anmelden?
Die Sprechstunde findet an jedem Messetag von 14 bis 15 Uhr statt, von Donnerstag bis Sonntag außerdem von 11 bis 12 Uhr. Wir treffen uns direkt am VFLL-Stand: Halle 5.0, Stand E44. Den Zehn-Minuten-Slot reserviert man sich am gewünschten Tag ebenfalls bei uns am Stand, mindestens eine Stunde vor Beginn der Lektoratssprechstunde. Alle Infos sind auch im VFLL-Veranstaltungskalender nachzulesen.
Der VFLL ist das erste Mal in Halle 5.0, nachdem die Messe ihr Hallenkonzept umgestellt hat. Was hat es mit dem neuen Konzept auf sich?
Die Messe will mit dem neuen Hallenkonzept die Struktur und die Orientierung für alle Beteiligten verbessern. Statt auf die einzelnen Hallen werden die Austellenden nun auf die unterschiedlichen Ebenen verteilt: Das Angebot für das breite Publikum findet sich im Erdgeschoss, das internationale Geschäft in den oberen Hallenebenen.
Ein Teil des Teams für die Frankfurter Buchmesse bei einem Treffen. Die zweite von links in der oberen Reihe ist Vanessa Michaeli, die das Messeteam leitet. (Foto: privat)
Wer stellt noch in Halle 5.0 aus?
Außer uns haben weitere Verbände und Vereinigungen rund ums Schreiben ihre Stände hier, so zum Beispiel der VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V.), der BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer), der Selfpublisher-Verband und die „Mörderischen Schwestern“ – ein Netzwerk, das von Frauen geschriebene Krimis fördert. Auch das Zentrum Wort ist in Halle 5.0 angesiedelt, also der zentrale Treffpunkt zur Gegenwartsliteratur und Übersetzung, und die Themenwelt Touristik und Reisen. Natürlich sind auch einige Verlage hier, u. a. Fischer und Droemer Knaur, weiterhin Medien wie DIE ZEIT und diverse Dienstleistungen für Selfpublisher, z. B. Druckereien. Also durchaus ein interessantes Umfeld.
Was ratet ihr einer Person, die zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse besucht?
Bloß nicht versuchen, alles zu sehen, und erst recht nicht an einem einzigen Tag! Es hilft, sich vorab einen Überblick zu verschaffen, Schwerpunkte zu setzen und, ganz wichtig, Pausen einzuplanen. Die Messe ist riesig, der Input kann einen sonst leicht überfordern.
Wir empfehlen einen Besuch an den Fachbesuchstagen, also Mittwochmorgen bis Freitagmittag. Der Eintritt kostet zwar mehr, dafür ist weniger los. Als Fachbesuch gilt man u. a. auch, wenn man selbst schreibt oder im freien Lektorat tätig ist. Tipp: Es spart Zeit, Geld und Nerven, wenn man sich Proviant und vor allem Getränke mitnimmt. Man kann zwar alles auf der Messe kaufen, aber die Schlangen sind oft lang. Und ganz wichtig: genügend Platz in der Tasche lassen für neue Bücher (lacht)!
| »Und ganz wichtig: genügend Platz in der Tasche lassen für neue Bücher!« |
Im Gegensatz zu Messeneulingen: Wie sieht eure Vorbereitung als Messeteam hinter den Kulissen aus und wie viel Vorlaufzeit plant ihr dafür ein?
Unsere Arbeit fängt schon Monate vor dem Messestart an: nämlich damit, alle anstehenden Aufgaben zu evaluieren und auf die einzelnen Teammitglieder aufzuteilen. Via Zoom stimmen wir uns dann regelmäßig ab. Was sehr frühzeitig erfolgt, sind die Anmeldung unseres Stands bei der Messe und die Abfrage bei den Verbandsmitgliedern, wer welche Schichten für Standdienst und Lektoratssprechstunde übernimmt. Wir aktualisieren diverse Dokumente wie den Standdienstleitfaden, die Präsentation und das Sprechstundenposter, weiterhin bereiten wir die Namensschilder vor und bestellen neue Flyer. Transport, Aufbau und Lagerung unserer Standmöbel müssen organisiert werden. Außerdem stimmen wir uns regelmäßig mit der Geschäftsstelle, dem FoBi-Team und dem K-Team ab.
Für einen Standdienst bekommen VFLL-Mitglieder kein Geld. Warum sollte man das trotzdem machen – wenn nicht dieses Jahr, dann in Zukunft?
Na, weil man vielleicht einen Büchergutschein dafür bekommt (lacht). Nein, im Ernst: Der Standdienst ist eine gute und einfache Möglichkeit, sich im Verband einzubringen und ins Ehrenamt zu schnuppern – besonders, wenn man ohnehin die Messe besucht. Außerdem macht es wahnsinnig Spaß! Man trifft Kolleg*innen wieder, lernt andere kennen, kann potenzielle VFLL-Mitglieder zwecks Mitgliedschaft beraten und Schreibenden mit Lektoratswissen helfen. Netzwerk und Austausch „in echt“ statt digital! Das ist eine unheimliche Bereicherung. Außerdem gibt’s am Stand Nervennahrung in Form von Kaffee und Keksen (lacht). Dazu kommen ganz persönliche Gründe: Manche von uns begleiten den VFLL-Stand von Anfang an und haben dazu beigetragen, dass sich das Auftreten des VFLL professionalisiert hat. Andere freuen sich als Verbandsneulinge, ihre erste Buchmesse nicht ganz allein bestreiten zu müssen. Übrigens: Niemand muss Angst haben, für den Standdienst zu kurz im VFLL zu sein. Man wird vor dem Standdienst gut informiert und ist außerdem nie allein da.
| »Netzwerk und Austausch in echt statt digital! Das ist eine unheimliche Bereicherung. « |
Mit welchen Gefühlen seht ihr der diesjährigen Frankfurter Buchmesse entgegen?
Wir sind gespannt auf den neuen Standort im neuen Messekonzept – darauf, inwiefern sich das auf unsere „Laufkundschaft“ auswirkt. Und wir sind neugierig, wie viel Raum das Thema „KI“ in den Gesprächen am Stand einnehmen wird. Außerdem planen wir schon für die nächste Frankfurter Buchmesse, werden vor Ort gewisse Dinge ausloten, um unseren Verband und unseren Beruf zukünftig noch besser präsentieren zu können. Vor allem freuen wir uns aber natürlich auf tolle Gespräche am Stand mit all den sympathischen Menschen, die sich für das Gleiche interessieren wie wir: gute Texte.
Tickets für die Buchmesse bekommt ihr hier. Am besten macht ihr euch schon vor der Messe schlau, wie ihr euch einen Slot in der Lektoratssprechstunde reserviert und wo die unterschiedlichen Aussteller sein werden. Bei der Vorbereitung helfen auch der Hallenplan und der Veranstaltungskalender. Viel Erfolg beim Planungspuzzle! Der wichtigste Ort ist natürlich der VFLL-Stand E44 in Halle 5.0 😉. Events von VFLL-Mitgliedern findet ihr auf unserer Website. Wir freuen uns auf euch!
Redaktion: Cornelia Thoellden
Aufmacherbild: Copyright Frankfurter Buchmesse, Domenic Driessen
Mehr im VFLL-Blog:
Warum sich eine Buchmesse immer lohnt, lest ihr inklusive Praxistipps im Rückblick auf die Leipziger Messe mit Jane Austen. Und wer jetzt schon Lust auf neue Bücher hat: Unsere Mitglieder lekorieren nicht nur, sie schreiben auch:
„All unsere Vergangenheiten“ von Nicci Schmieder
„Bodo Kampmann – ein Künstlerleben in Braunschweig“ von Bärbel Mäkeler
Auf geht’s zum Roadtrip durch Australien mit Nina Waldkirch
„Ein gutes Ende“ von Clara Bachmann
„Sherlock, Watson und eine KI, die fremdgeht“ von Hans Peter Roentgen