Krimiautorin und VFLL-Mitglied Sabine Hirschfeld

„Wir haben doch alle unsere Schrammen“

VFLL-Kollegin Sabine Hirschfeld lebt und arbeitet in Hamburg, die Finanz- und Unternehmenskommunikation ist ihr Kerngeschäft im Lektorat. Der Kriminalroman „Familie Macht Tod“ – ihre erste Veröffentlichung als Krimi-Autorin – erschien im Januar im Selfpublishing. Im Interview verrät sie, was die sogenannten Cum-Ex-Files mit der Geschichte zu tun haben und wie sie ihren inneren Schweinehund erfolgreich ausgetrickst hat.

Um was für ein Werk handelt es sich?

„Familie Macht Tod” ist der erste Band der Krimireihe „Hamburg Mord“ um die Ermittlerin Mara Abels.

Ich liebe Kriminalliteratur, also schreibe ich Krimis. Ich liebe Spannendes, also schreibe ich spannend. Ich schmunzele gern, also darf sich die Leserschaft auf einen feinsinnigen Humor freuen. Ich hasse Blut, aber auf dem Papier darf es ruhig ein wenig tröpfeln, also schreibe ich keine Kuschelkrimis, sondern es darf schon etwas härter zur Sache gehen, getreu meines Credos: Spannung, feinsinniger Humor und eine Prise Blut.

Cover des Buches „Familie Macht Tod”, erschienen bei BoD

Und darum geht’s: Ein Angler zieht die Überreste eines Toten aus der Elbe, kurz darauf wird eine junge Frau brutal ermordet. Die Rückkehr eines Serienkillers? Kommissarin Mara Abels, deren Ansehen in den Reihen der Hamburger Polizei genauso im Keller ist wie ihr Selbstbewusstsein, wird an den Tatort beordert. Die Spuren führen in die höchsten Kreise von Politik und Wirtschaft. Mara stößt auf Ungereimtheiten, doch niemand scheint sie in dieser von Männern dominierten Welt ernst zu nehmen. Decken Maras Vorgesetzte einen Mörder? Oder steckt mehr dahinter? Als ein Kind entführt wird, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Mara beginnt, um ihr Comeback zu kämpfen und stellt eigene Ermittlungen an. Noch ahnen ihre Gegner nicht, dass mehr in der unscheinbaren Kommissarin steckt, als es den Anschein hat …

Wie bist du zu dem Werk oder auf das Thema gekommen?

VFLL-Kollegin Sabine Hirschfeld, Foto: Tina Demetriades

Die Initialzündung zu der Krimireihe kam mit der Berichterstattung über die Cum-Ex-Files in der Presse. Mir fiel auf, dass der Betrug in der Hauptsache von Menschen in Maßanzügen verübt wurde, die im vollen Bewusstsein ihrer Macht und (eingebildeten) Überlegenheit handelten. Ich stellte mir die folgende Frage: Was wäre, wenn eine in Ruf und Selbstbewusstsein angeknackste Frau mit der Aufklärung eines Mordfalls betraut werden würde, dessen Spuren in die höchsten Zirkel der Macht führen? Würde man sie ernst nehmen? Ich erfand Mara Abels, stattete sie mit einer bewegten Vergangenheit und einer trotzigen Verletzlichkeit aus, schickte sie in genau solch ein Szenario – und ließ Maras Widersacher in Unwissenheit darüber, dass sie mehr auf dem Kasten hat, als es scheint.

Ich denke, in den meisten Menschen steckt ein bisschen Mara. Wir haben doch alle unsere Schrammen, durch die aber auch wieder Licht einfallen darf, wenn wir es zulassen – aber auch unsere Superkräfte, die dann zum Ausdruck kommen, wenn es keiner von uns erwartet.

Hast du in einem Verlag publiziert oder per Selfpublishing?

Ich habe den Roman bei BoD publiziert. Ich mag den Gedanken der Nachhaltigkeit, dass nur das gedruckt wird, was auch bestellt wird – ohne Auflagendruck oder große Lagerhaltung.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Von der Initialzündung bis zur fertigen Rohfassung gingen zwei Jahre ins Land. Wobei ich teilweise monatelang nicht geschrieben habe. Den Großteil der Rohfassung habe ich in wenigen Monaten, im Sommer 2022, fertiggestellt.

Gab es spezielle Herausforderungen?

Der innere Schweinehund ist ein ganz fieses Vieh. Ständig lässt er sich ablenken, will alles andere als schreiben und wartet nur darauf, dass ihn die Muse küsst. Und wenn die Muse nicht kommt, bleibt der Köter in seiner Box. Basta!

Das zu überwinden kostet Kraft, vergleichbar mit dem Training unserer Muskeln. Ich bin ganz und gar unsportlich, aber jede*r hätte doch gern einen Superbody bzw. das 400-Seiten-Manuskript. Dafür müssen wir aber etwas tun. Zu Beginn hängt alles runter, der ganze Körper besteht scheinbar aus schlaffem, nutzlosem Bindegewebe. Dann beginnt das Training. Also hoch vom Sofa, und ab ins Fitnessstudio bzw. an den Schreibtisch. Schreiben! Wir sind motiviert, aber nach 14 Tagen haben wir schon keinen Bock mehr. Die Ideen gehen aus, der rote Faden geht verloren; 50 coole Seiten geschrieben, und nun? Auf dem Sofa fläzt sich der Schweinehund und ruft: Kümmere dich doch um etwas anderes, räum die Abstellkammer auf! (Oder sowas) Folgsam und dankbar folgen wir seinen Einflüsterungen.
So wird das Ding aber nicht fertig. Schreiben ist Arbeit. Ab und an kommt die Muse vorbei und haucht uns einen Kuss auf die Stirn, das ist ein tolles Gefühl –  aber meistens bleibt sie weg. Wirklich. Schon unsere Urmütter wussten: Steter Tropfen höhlt den Stein. Und von unseren Urvätern stammt: Muskeln müssen brennen, damit sie wachsen. Das ist ein Kampf, der zunächst im Kopf stattfindet.

Ich wollte ein Buch schreiben, also musste ich eines tun: schreiben. (Und wer sagt, das sei doch logisch und easy peasy, möge es uns Autor*innen gern nachtun.) Das habe ich irgendwann gecheckt und mir eine Routine im eh schon vollen Alltag aufgebaut. Zu Beginn brannte es wirklich, aber mit der Zeit entwickelte sich mein Schreibmuskel. So habe ich über drei Viertel der über 400 Normseiten in drei Monaten geschrieben.

Was hat besonders Freude gemacht?

Dem Schweinehund zuzuwinken.

Wie fühlt es sich an, das Werk nun in den Händen zu halten?

Fantastisch. Noch besser fühlt es sich aber an, es in den Händen der Leserschaft zu sehen. Das ist mir die größte Freude!

Interview: Katja Rosenbohm
Porträtfoto: (c) Sabine Hirschfeld, Foto: Tina Demetriades
Beitragsbild: (c) Sabine Hirschfeld, Foto: privat


Sabine Hirschfeld: Familie Macht Tod, BoD, 380 Seiten, 2023, Broschur, ISBN 978-3-756885534.

Das Buch ist über den Buchhandel und online z. B. im Autorenwelt-Shop des Uschtrin-Verlags erhältlich.

Das Buch bei BoD

Weitere Infos auf der Website der Autorin


Sabine Hirschfelds Website und Profil im VFLL-Lektoratsverzeichnis


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2 Gedanken zu „„Wir haben doch alle unsere Schrammen“

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